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Milena G. - 3. Bericht

Ich kann nicht glauben, dass es schon wieder drei Monate her ist, dass ich den letzten Bericht geschrieben habe. Es ist so viel passiert, dass ich gar nicht mehr weiß wo ich anfangen soll. Eigentlich hatte ich geplant in diesem Bericht über die Reisen zu schreiben, die ich alleine oder mit meinen Mitfreiwilligen unternommen habe. Bis Anfang März war das auch noch kein Problem – nur dann machte uns die globale Pandemie, ausgelöst durch das Corona Virus einen entschiedenen Strich durch die Rechnung. Von einem Tag auf den anderen wurden alle Schule geschlossen, die Fundacion machte zu und auch am gleichen Wochenende wurde eine Quarantäne mit folgender Ausgangssperre über das ganze Land verhängt. Zur gleichen Zeit wurden alle Grenzen auf unbegrenzte Zeit geschlossen und alle Nicht-Ecuadorianer die wir kannten versuchten nur noch so schnell wie möglich das Land zu verlassen, da nur wenige Tage später auch die Flughäfen schließen sollten. Langsam bekamen wir ein ziemlich mulmiges Gefühl, was wir nun von der Lage halten sollten, da wir keine Ahnung hatten, ob wir bei einem Notfall überhaupt noch das Land verlassen könnten. Auch die Quarantäne versprach keine allzu rosigen Aussichten: im Oktober während der Streiks aufgrund der subventionierten Benzinpreise im Land war schon mal eine zweiwöchige Ausgangsperre verhängt worden. Mir hatte die Erfahrung definitiv gereicht und ich war nicht sicher, ob ich so eine Zeit ohne Aussicht auf ein Ende noch einmal durchstehen würde. Ich hatte auch schon ernsthaft überlegt meinen freiwilligen Dienst abzubrechen und nach Hause zu fliegen, solange ich noch die Chance dazu hatte. Nach einem eingehenden Gespräch mit einer Mitfreiwilligen und mittlerweile auch sehr engen Freundin, haben wir uns jedoch entschieden zu bleiben.

Ironischerweise kam keine 20 Minuten später die Nachricht von Weltwärts, dass wir alle nach Deutschland zurück müssten. Diese Nachricht war Schock und Erleichterung zugleich. Einerseits war ich froh, dass mir die Entscheidung, ob ich gehen oder bleiben sollte abgenommen wurde, andererseits konnte ich nicht fassen mein Leben hier in Ecuador einfach so von einen auf den anderen Tag zu verlassen. Das Schlimmste war, Niemanden tschüss sagen zu können, da wir, um deren Gesundheit zu schützen, zu den Kindern der Fundacion keinen Kontakt mehr haben durften.

Wir stellten uns darauf ein, das Land nun spätestens in den nächsten drei Tagen verlassen zu haben, also packten wir die Koffer, bezahlten die letzten Rechnungen und warteten auf die Nachricht, dass es einen Flug für uns gäbe. Diese Nachricht blieb jedoch aus. Verschiedene Airlines boten zwar Rückholflüge an, diese allerdings zu extremen Wucherpreisen und zudem wurden Touristen, die sowieso in den nächsten Wochen zurückfliegen sollten, Minderjährige oder Menschen mit Vorerkrankungen priorisiert. Zwei Wochen lang saßen wir auf gepackten Koffern und die Spannung und Nervosität stieg. Es wäre gelogen zu sagen, dass ich keine Angst davor hatte, womöglich auf unbegrenzte Zeit in diesem Land festzuhängen und mit jedem Tag wuchs diese Angst. Daher war ich umso dankbarer für die gegenseitige Unterstützung in meiner WG. Natürlich lassen sich, wenn man mit vier Leuten mehrere Monate zusammen lebt auch immer mal Konflikte. Wenn mir jemand im Voraus gesagt hätte ich müsste mehrere Wochen mit den gleichen Menschen in einer Wohnung eingesperrt sein, ohne jegliche Möglichkeit mal etwas Ruhe an der frischen Luft zu bekommen, wäre ich mir sicher gewesen, dass wir uns nach spätestens 4 Tagen gegenseitig an die Gurgel gegangen wären. Bei uns war es das Gegenteil. Ich habe sogar das Gefühl, dass wir durch die Zeit, die wir erzwungenermaßen miteinander verbracht haben, sogar noch stärker zusammengewachsen sind. Wir mussten Probleme gemeinsam lösen und haben uns gegenseitig gestützt, um diese Zeit zu überstehen.

Und schließlich kam dann doch die Nachricht, dass wir bei einem der von der Bundesregierung organisierten Rückholflüge an Board sein sollten.

Jetzt bin ich schon einen Monat wieder zu Hause. Was sich viele Leser nun fragen werden ist natürlich, wie es war, wieder anzukommen. Meine Familie wiederzusehen war wunderschön und auch endlich wieder ein Stück deutsches Brot zu essen hat mich sehr glücklich gemacht, aber dennoch vermisse ich Ecuador fast jeden Tag. Ich vermisse den täglichen Plausch mit der Nachbarin, die uns immer Obst verkauft hat, die Musik in den Bussen und den Straßen, die köstlichen Früchte und natürlich die Leute aus der Fundacion und die Kinder. Auch die WG fehlt mir. Die langen Abende, quatschend in der Küche, das gemeinsame Kochen, das hören und singen von spanischer Musik, die schließlich sogar ich verstanden habe... All das lässt sich zu Hause natürlich nicht so fortsetzen – meine Eltern verstehen kein Spanisch und leider haben sie durch Corona auch nicht die Möglichkeit gehabt mich in Ecuador zu besuchen und mein Leben und die Dinge, die ich dort liebe kennenzulernen. Ähnlich ist es mit Freunden. Dadurch ist es manchmal schwer ihnen all die schönen Sachen, die ich dort erlebt habe zu vermitteln. Trotzdem suche ich mir andere Wege wie ich mein Leben dort in Erinnerung behalten kann und es meiner Familie näherbringen kann. Mit meiner Katze rede ich nun einfach spanisch, meine Freunde mögen auch die spanische Musik und meine Eltern freuen sich die typisch ecuadorianischen Gerichte zu probieren, die ich dort kennen gelernt habe. So kann man die zwei Welten etwas verschmelzen lassen. Am schönsten ist es aber natürlich mit meinen Mitfreiwilligen per skype gemeinsam in Erinnerungen zu schwelgen und es tut gut zu wissen, dass es anderen genauso geht wie einem selbst.

Mein Ecuador-Aufenthalt hat leider ein unerwartetes, sehr abruptes Ende genommen. Trotzdem habe ich kein einziges Mal bereut, dieses FSJ gemacht zu haben. Auch wenn ich von den 12 geplanten Monaten nur knapp acht in Ecuador verbringen konnte, habe ich mich sehr entwickelt. Damit meine ich nicht nur, dass ich eine andere Sprache gelernt habe und es geschafft habe, mich in einem fremden Land zurecht zu finden und auf eigenen Beinen zu stehen. Ich habe es geschafft meine Komfortzone zu verlassen, meine Konflikte auf eigene Faust gelöst, das erste Mal mit Menschen mit Behinderung zusammengearbeitet und diese Arbeit riesig zu schätzen gelernt. Ich habe viele tolle neue Leute kennengelernt und bin für alles, was ich mit ihnen erleben und von ihnen lernen durfte, sehr dankbar. Umso trauriger bin ich, dass ich mich von all dem nicht richtig verabschieden konnte. Aus diesem Grund bin ich sicher, eines Tages noch einmal nach Ecuador zu fliegen um all die Dinge zu tun, mit denen ich noch nicht abgeschlossen habe. Bis dahin, und sicher noch für den Rest meines Lebens, Ecuador wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

 

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