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Viola - 3. Bericht

Die letzten Wochen in Deutschland
haben mir die Möglichkeit gegeben, die vergangenen acht Monate in Ecuador zu reflektieren.

Als ich angefangen habe, darüber nachzudenken, was meine Zeit in Ecuador besonders geprägt hat, habe ich natürlich als erstes an die Arbeit mit den Kindern, die Reisen, das Leben in der WG und die Menschen, die ich kennengelernt habe, gedacht. Jedoch ist nicht zu vergessen, dass wir auch die Erfahrung gemacht haben, Ecuador zwei Mal im Ausnahmezustand zu erleben.

Als es hieß, es gäbe eine Ausgangssperre und öffentliche Verkehrsmittel würden nicht mehr fahren, habe ich mich wieder in den Ausnahmezustand im Oktober zurückversetzt gefühlt.
Jedoch haben wir schnell bemerkt, dass es dieses Mal sehr anders sein würde.
Die Grenzen waren von einem Tag auf den anderen geschlossen, es gab keine Flüge mehr, Läden haben nicht mehr geöffnet, es gab wieder eine Ausgangssperre und das öffentliche Leben wurde heruntergeschraubt.
Die Menschen wurden plötzlich sehr misstrauisch und ich hatte teilweise das Gefühl, nicht mehr erwünscht zu sein. Als Ausländer war man plötzlich nicht mehr nur auffallend anders, sondern in gewisser Weise auch eine Gefahr.
Ich denke, dadurch, dass wir in Ibarra, in einer eher ruhigeren, kleineren Stadt gelebt haben, haben wir diese Art von Abweisung nicht so stark zu spüren bekommen, wie in anderen Teilen Ecuadors.
So hörte man in den Nachrichten von Fällen, wo Ausländer nicht mehr in Läden reingelassen wurden.
Man kannte uns vom Sehen im Supermarkt, in der Nachbarschaft und in Läden, in denen wir regelmäßig einkauften,  trotzdem wurden wir mit einer Art Misstrauen betrachtet.
Gerade Menschen, die uns zum ersten Mal sahen, nahmen auffällig viel Abstand von uns. Es hat sich sehr falsch angefühlt, in der Stadt, in der man eigentlich zu Hause ist, plötzlich so fremd zu sein.
Beispielsweise an dem Tag unserer Abreise nach Quito, wollte uns ein Taxifahrer zuerst nicht mitnehmen, nachdem er erfahren hatte, dass wir Deutsche sind. Erst nach einer Erklärung unserer Chefin, dass wir uns schon seit acht Monaten in Ecuador aufhalten, erklärte er sich dazu bereit, uns nach Quito zu fahren.

Die schnellen Veränderungen von der Regierung und die Umstellungen von einem Tag auf den anderen, waren schockierend. Die Situation spitzte sich bei uns in Ibarra besonders zu, nachdem der erste bestätigte Fall von Covid-19 in der Stadt festgestellt wurde.
Man sah plötzlich niemanden mehr außerhalb des Hauses und nachts sah man Fahrzeuge durch die Straßen fahren, die Mülleimer und die Straße selbst desinfizierten.
Die Situation war einfach so absurd, dass ich mir wie in einem schlechten Film vorkam.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, fast zwei Wochen lang jeden Morgen aufzuwachen und nicht zu wissen, ob man zurück nach Deutschland kommt oder ob man in Ecuador festsitzt.
Es war deprimierend, so hilflos zu sein und die Veränderungen hinzunehmen zu müssen. Anfänglich war ich noch sehr motiviert, dass wir zeitnah nach Hause fliegen können, aber selbst diese Motivation nahm von Tag zu Tag ab.
Wir haben versucht, uns jeden Tag gegenseitig aufzubauen, haben mit der WG in Quito telefoniert und die Zeit abgesessen.
Rückblickend weiß ich, dass es das Beste war, uns zurück nach Deutschland zu holen, aber während unserer Quarantäne in Ecuador kam es mir sehr falsch vor. Aber wir hatten ja auch keine Ahnung, wie sich die Situation entwickeln würde.

In Gedanken bin ich jetzt häufig bei Ecuador, einem Land, das wie so viele andere Länder unerwartet, aber vor allem unvorbereitet, von der Pandemie getroffen wurde.
Täglich hört man neue Nachrichten darüber, wie die Situation sich verschlimmert, wie Familien Geliebte verlieren. Gerade in dieser Zeit müssen wir zusammenhalten und versuchen unseren Teil beizutragen.

Ich weiß, dass die plötzliche Ausreise aus Ecuador, mich noch lange beschäftigen wird, aber dennoch ist mir bewusst geworden, dass sie auch nicht das Ende meines Freiwilligendienstes bedeutet.
Zwar halte ich mich nicht mehr in Ecuador auf, aber ich habe durch meine Erfahrungen, welche ich gesammelt habe, die Möglichkeit, anderen zu berichten, zu informieren und zu motivieren, sich selbst für einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst zu entscheiden.
Jetzt hängt es von uns ab, was wir in die Welt heraustragen, was wir teilen und was wir vielleicht auch für uns behalten.

In meinem ersten Bericht habe ich darüber geschrieben, dass ich mir am Ende meines Freiwilligendienstes, durch die Eindrücke und Erfahrungen, ein wunderschönes Bild von Ecuador gemacht haben will. Jetzt bin ich zurück in Deutschland und mein Kunstwerk ist fürs erste vollendet. Wir haben uns während unserer Quarantäne in Ecuador oft darüber unterhalten, wie froh wir eigentlich sein können, dass wir traurig über unsere Ausreise sind.
Wir haben uns als WG gut verstanden, hatten Spaß an der Arbeit und haben großartige Menschen kennengelernt. Der Gedanke daran, dass die plötzliche Ausreise für andere Freiwillige vielleicht sogar eine Erleichterung sein könnte, hat mich noch einmal dankbarer für die Zeit gemacht, die ich in Ecuador verbringen konnte.
Und so werde ich mein Bild ausstellen und jedem selbst die Möglichkeit geben, meine Eindrücke und Erfahrungen zu bewerten.

 

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