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Nina - 2. Bericht

Nina

Die Indigenen nehmen in Ecuador mit einer Anzahl an rund 1 Mio. Menschen einen Anteil von etwa 7% der Gesamtbevölkerung ein. Diese gehören 13 verschiedenen Völkern mit jeweils eigenen Sprachen an, die größten sind hierbei die Kichwa aus der Sierra und die Shuar aus dem Amazon. Das sind bisher jedoch nur ziemlich trockene Fakten, die meiner Meinung nach die Frage nicht beantworten, wie die Indigenen hier in Ecuador in der Gesellschaft positioniert sind.

Wie sieht es mit Vorurteilen aus, die ich hin und wieder aufgeschnappt habe, wie z.B. dass Indigene durch ihre Bräuche zurückgeblieben, weniger wohlhabend als andere Bürger oder einfach eine Randgruppe der Gesellschaft sind?

Bevor ich nach Ecuador gekommen bin, wusste ich zwar, dass es Indigene gibt, jedoch war ich mir nicht bewusst wie präsent diese im alltäglichen Leben sind. Ob im Bus, auf der Straße oder auf dem Markt ihre Waren verkaufend, in Ibarra sieht man die farbenfrohen Uniformen, bestehend aus einer bestickten Bluse, Lederrock, Sandalen und Goldschmuck, bzw. die Männer mit Hut, Hemd und einem langen geflochtenen Zopf gefühlt an jeder Straßenecke und teilweise sind ganze Stadtteile wie La Esperanza oder Zuleta größtenteils von Indigenen bewohnt. So unterscheiden sich die Indigenen rein äußerlich ziemlich offensichtlich - ob das die Gesellschaft in Ecuador nun spaltet? Wie ich es die letzten Monate aufgenommen und erlebt habe, kam es mir nicht so vor. Dazu muss erwähnt werden, dass mir gesagt wurde, dass der Rassismus Indigenen gegenüber vor allem in den Großstädten Guayaquil und Quito immer noch besteht. Die Indigenen tragen ihre Kleidung mit Stolz und für die Nicht-Indigenen Ibarreños sind Indigene ganz normale Bürger wie sie, nur mit einem anderen kulturellen Hintergrund. Deren Lebensweise und Kultur wird von ihnen respektiert, für mich wurde das besonders deutlich, dadurch, dass Schulkinder meistens nicht die eigentlich obligatorische Schuluniformen tragen müssen, sondern auch in ihren Trachten zur Schule gehen. Eine besondere Position haben die Indigenen nochmal in Otavalo, wo sie auf dem über Landesgrenzen bekannten Markt ihre Waren wie Textilien oder Schmuck anbieten. Durch diesen Handel haben sie teilweise so einen Reichtum erlangt, dass man es der Stadt ansieht und sie auch in andere Länder gereist sind, um dort auf Märkten zu verkaufen, wir haben zum Beispiel mit einem Mann gesprochen, der schon in dem Berliner Mauerpark seinen selbst hergestellten Schmuck verkauft hat. Die Kinder der otavalensischen Indigenen sollen beruflich jedoch nicht deren Beispielen folgen, sondern eine gute Bildung erhalten, so besuchen diese teils die besten privaten Universitäten des Landes. Allgemein wird gesagt, dass die ecuadorianischen Indigenen die indigene Bevölkerung Lateinamerikas am besten repräsentieren, weil sie Teil der Gesellschaft sind, ohne sich stark anzupassen. Positive Aufmerksamkeit haben sie auch vor allem durch ihre Aufstände und politischen Aktivitäten bezüglich der wegfallenden Subventionen für Diesel im Oktober 2019 auf sich gezogen.

Auch in unserem näheren Umfeld haben wir Kontakt zu Indigenen - unsere Vermieterin beschäftigt eine Frau als Haushaltshilfe, ein Mädchen aus meiner casa und unsere Sprachlehrerin sind indigen. Letztere hat im Alltag die ganz traditionellen Bräuche wie die Tracht abgeschworen und trägt so Jeans und Pulli, hat ein Smartphone und ist auf Facebook unterwegs. So widerlegte sich für mich auch das Vorurteil, von durch ihre Traditionen vom aktuellen Leben zurückgebliebenen Indigenen.

Ein Teil der indigenen Kultur, der weiterhin sehr präsent ist, ist die Sprache. Hier in Ibarra gehören die Indigenen dem Stamm der Kichwa an und sprechen neben Spanisch meistens noch die gleichnamige Sprache Kichwa. Von dieser sind einige Wörter fest im lokalen Wortschatz verankert, für uns durch die Kids am meisten auffallend die Bezeichnung ñeño und ñeña für Bruder bzw Schwester gegenseitig. Kleine Kinder werden auch von den Educadoras gerne Guaguas genannt. Die Bezeichnung Minga für das Zusammenkommen, um sauberzumachen sowie viele Essensvokabeln wie canguil (Popcorn) ,mote (Art Mais), choclo (Art Mais), papa (Kartoffel), morocho (Art Getreide), taxo (Frucht), zapallo (Kürbis), quinoa. Die Übernahme und der Gebrauch dieser einigen Vokabeln sehe ich in einem gewissen Sinne auch als Wertschätzung dieser Kultur an.

Für dieses Ansehen und die bestehenden Rechte haben die Indigenen allerdings jahrzehntelang gekämpft und protestiert. Dazu beigetragen hat vor allem CONAIE (Indigenous Nationality Confederation of Ecuador) bzw. ihre Mitglieder. 1986 wurde diese Organisation gegründet, um Gruppen von Indigenen zu bilden, die als Widerstandsbewegung in Form von Protesten etc. politischen Druck ausüben. 1998 wurden schließlich die indigenen Rechte in der Konstitution geschützt und Indigene offiziell als Teil des Staates angesehen. So ist Ecuador ein multinationaler Staat, in dem Kichwa einen Status als vize-offizielle Sprache beinhaltet. Dieser Aspekt wird allerdings nicht ganz erfüllt: in Institutionen des öffentlichen Sektors wie Schulen, Krankenhäusern und Verwaltungsgebäuden wird meistens nur in Spanisch gesprochen und ausgeschildert. Eine Ausnahme bildet z.B. das Gericht in Ibarra, wo alle Schilder zweisprachig sind und auch indigene Sozialarbeiter arbeiten. Der Wohnraum und die Existenzgrundlage anderer Gruppen von Indigenen sind allerdings stärker gefährdet: die Waorani durch die Ölförderung in ihrem Reservat, dem Yasuní Nationalpark oder die Shuar durch intensiven Kohleabbau in ihrem Territorium. So sind die Grundrechte der Indigenen leider landesweit immer noch nicht gegeben, sondern müssen sich von diesen erkämpft werden.

 

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