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Vanessa - 2. Bericht

Über Sprache und Verständigung

Schon seit fast einem halben Jahr lebe ich nun in Ecuador und der Alltag ist einkehrt. Den Weg zur Arbeit, Sprachschule oder zur Bäckerei finde ich mittlerweile ohne Navigationssystem, und falls ich mal auf den Bus angewiesen bin, klappt es mit der Verständigung beim Fahrkartenkauf (in den allermeisten Fällen) auch so gut, dass ich anschließend im richtigen Bus sitze.

Womit ich dann auch schon beim Thema bin: Verständigung.

Die dominierende Amtssprache in Ecuador ist Spanisch, außerdem werden einige indigene Sprachen und Dialekte gesprochen, wie zum Beispiel Kichwa und Shuar chicham.

Kichwa ist ein Dialekt des Quechua, das ursprünglich von den Inkas eingeführt wurde, und heutzutage hauptsächlich im Oriente und in der Sierra Ecuadors gesprochen wird. In einigen von Indigenen regierten Gemeinden Ecuadors ist Kichwa zudem „Amtssprache für interkulturelle Beziehungen“.

Shuar chicham ist die Sprache der Shuar, einem indigen Volk, welches östlich der Anden im Amazonastiefland Ecuadors lebt.

Zu meinem Glück musste ich mich bisher weder auf Kichwa noch auf Shuar chicham verständigen, zu meinem Pech war mein Spanisch-Wortschatz vor 6 Monaten fast ebenso wenig ausgeprägt. Ich hatte zwar immerhin 2 Jahre Spanischunterricht in der Schule, aber das ist über 8 Jahre her. Daher habe ich zusätzlich einige Monate vor der Ausreise mit einer bekannten App zum Sprachen lernen etwas Spanisch gelernt. Allerdings habe ich mich dabei aber mehr auf Vokabular zu Themen fokussiert, die mich interessieren, und eher weniger auf im Alltag nützliches Vokabular oder die Grammatik. Und wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, konnte ich mit Vokabeln wie „campanilla de invierno“ (Schneeglöckchen) oder „perezoso“ (Faultier) bisher eher wenig anfangen. Dementsprechend war ich hier anfangs mit meinem Kleinen bzw. im Alltag so gut wie unbrauchbaren Wortschatz und den fehlenden Grammatikkenntnissen etwas verloren. Viel mehr als „Hallo“, „Tschüss“ und „Wie geht es dir?“ kam mir nicht über die Lippen. In meiner ersten Woche in Ecuador, welche alle Freiwilligen in der Hauptstadt Quito verbrachten, fragte ich in einem Imbiss nach dem Preis einer Speise. Dachte ich zumindest. Nachdem der nette Herr wieder in der Küche verschwunden war, wies mich eine Mitfreiwillige darauf hin, dass ich gerade „Was kostest du?“ und nicht wie angenommen „Was kostet das?“ gefragt hatte. Manchmal macht nur ein kleiner Buchstabe den großen Unterschied…

Eine Sprache nicht zu beherrschen, kann einen wirklich in komische Situationen bringen. Im September holte ich ein Mädchen aus dem Kindergarten ab, und wartete eigentlich nur darauf, dass sie ihren Rucksack holt und wir gemeinsam nach Hause gehen können. Doch stattdessen schob sie mich in einen Raum, zeigte auf einen Stuhl und rannte wieder lachend auf den Hof. Ich nahm auf dem letzten Stuhl im Stuhlkreis Platz und merkte, dass ich mich wohl auf einer Art Elternabend befand. Zum Teil erboste Eltern schrien durcheinander, während ich nichts verstand und mir nur dachte „Wer bin ich und was mache ich hier?!“. Letztendlich konnte ich aber in einem anschließenden Gespräch mit der Erzieherin die wichtigen Informationen herausfinden, und habe die Situation somit doch noch gemeistert.

An einem anderen Nachmittag half ich einer 17-jährigen Schülerin bei den Hausaufgaben. Als wir uns gerade auf ihre Matheaufgaben konzentrierten, flog die Zimmertür mit einem Knallen auf, und einige jüngere Kinder stürmten lachend herein und verschwanden auch genauso schnell wieder im Flur. Ohne die Tür hinter sich zu schließen. Ich rief „Abre la puerta por favor!!!“ und es wurde mucksmäuschenstill. Während ich mir dachte „Wow, das funktioniert ja richtig gut, du hast alles voll im Griff.“, brachen alle anderen in schallendes Gelächter aus. Das ältere Mädchen erklärte mir anschließend, dass ich soeben „Öffnet die Tür, bitte!!!“ anstatt „Macht die Tür zu, bitte!!!“ gerufen hatte.

Das alles sind recht lustige Beispiele, um meine Verständigungsschwierigkeiten zu beschreiben. Aber es gab und gibt auch immer noch Situationen, in denen es belastend ist, die Menschen um sich herum einfach nicht zu verstehen, oder sich aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse selbst nicht einbringen zu können. Zum Beispiel bei Teamsitzungen auf der Arbeit oder komplexeren zwischenmenschlichen Situationen. Eines nachmittags kam ein Mädchen von der Schule nach Hause, und wirkte sehr traurig. Sie erzählte meiner Mitfreiwilligen und mir, was in der Schule vorgefallen war. Ich brauchte keine Worte um zu verstehen, dass es ihr nicht gut ging, und konnte auch ohne Worte, nur durch eine Umarmung, vorerst Trost spenden. Aber um die ganze Situation begreifen zu können und dementsprechend lösungsorientiert zu handeln, war ich auf die Spanischkenntnisse meiner Mitfreiwilligen angewiesen. Es ist nicht schlimm Hilfe zu benötigen, und es gab auch keine Situation, die sich aufgrund von Sprachschwierigkeiten nicht lösen ließ, aber es ist auf Dauer anstrengend ständig nachfragen zu müssen, nicht nur für einen selbst.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es nicht unmöglich ist, sich im Alltag eines Landes zurechtzufinden, dessen Landessprache man kaum spricht. Durch die Kommunikation auf der Arbeit, mit den Kindern und den Erzieherinnen, oder auch mit ecuadorianischen Freunden und Bekannten lernt man schnell dazu. Und auch der Sprachunterricht vor Ort und die Mitfreiwilligen helfen, sich sprachlich ständig weiterzuentwickeln. Aber ich denke, je mehr man sich vor der Abreise vorbereitet, desto leichter macht man es sich selbst, und auch seinen Mitmenschen.

Sprachbarrieren hin oder her – ich genieße meinen Aufenthalt in Ecuador sehr und bin froh, mich hier, nicht nur sprachlich, stetig weiterentwickeln zu können.

 

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