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Raphaela - 2. Bericht

Raphaela

Liebe/r weltwärts-Interessierte,

bereits im letzten Bericht habe ich versucht, einige Fragen zu klären. Diese bezogen sich jedoch größtenteils auf die Zeit vor meiner Ausreise aus Deutschland oder auf die ersten Tage hier in Ecuador. Heute möchte ich mehr auf die alltäglichen Dinge meines Lebens als weltwärts-Freiwillige eingehen.

Wie fühlt sich ein Leben in einer WG an? Gibt es eine Gemeinschaftskasse, Putzdienste, Streit?
Wie ist das Verhältnis zu den Tías, zu den Chefinnen, zu den Vermietern?
Wie ist das Essen? Gab es bisher gesundheitliche Probleme deshalb?
Und zu guter Letzt möchte ich versuchen, meine Gefühle nach einem halben Jahr Ecuador zu beschreiben.

Es gibt eine lange Liste abzuarbeiten, also los.
Zu aller erst möchte ich betonen, dass alles, was ich schreibe rein meine Sicht der Dinge ist. Vor allem die Situation in der WG, wie auch das Verhältnis zu anderen Personen oder die Stabilität des Magens sind ganz persönliche Angelegenheiten und deshalb selbstverständlich ganz unterschiedlich bei verschiedenen Personen. Trotzdem will ich diese Fragen nach meiner persönlichen Erfahrung beantworten, denn all das hat mich vor meiner Ausreise beschäftigt.

Zuerst ein paar Worte zu der Situation in unserer WG. Wir vier deutschen Freiwilligen aus Quito wohnen in einer großen Wohnung, in der jeder sein eigenes Schlafzimmer hat mit Matratze und Schrank, außerdem gibt es zwei Badezimmer, eine Küche und ein gemütliches Wohn-/Esszimmer. Ich finde die Aufteilung der Wohnung super, da jeder genug Freiraum hat, wenn er ihn mal braucht. Die Zimmer sind sparsam eingerichtet aber gemütlich und lassen Platz für Fantasie und die eigene Handschrift, was Dekoration oder Umgestaltung angeht. So kann man hinter sich auch mal die Türe zuziehen, wenn man Zeit für sich braucht. Gleichzeitig muss niemand ungeduldig werden, wenn ein Badezimmer schon seit längerem besetzt ist, denn es gibt ja noch ein zweites. (Was nicht heißt, dass Ungeduld nie vorkommt…). Die Küche ist ebenfalls ausgestattet mit allem, was man dringend braucht. Dazu gehören weder Handrührgerät noch Küchenwaage, doch mit ein wenig Experimentierfreude und Kreativität lässt sich alles zubereiten. Dem Thema Küche schließt sich gleich auch das Thema Einkaufen an, welches zu einem ernsthaften Konfliktthema werden kann, wenn man sich nicht vorher für eine gemeinsame Variante entscheidet. Da gibt es mehrere zur Auswahl:
1.) jeder kauft für sich selbst ein und zahlt allein
2.) alles wird für alle gekauft und der Preis durch vier geteilt
3.) man versucht sich an einem Kompromiss.
Nach einigem Hin- und Herprobieren haben wir uns für Version drei entschieden. Das heißt für uns wir kaufen Grundnahrungsmittel wie Brot, Reis, Nudeln, Joghurt, Milch, Müsli und Gewürze zusammen ein und teilen durch vier. Alles andere kauft sich jeder selbst und isst es dann auch allein. Das klappt wirklich gut. Wobei ich nicht behaupten will, dass das die Lösung schlechthin für das Einkaufsproblem ist. Schlussendlich muss jede WG-Konstellation ihren eigenen Kompromiss finden. Auch was das „Küche-Sauberhalten“ angeht gibt es kein Geheimrezept. Grundsätzlich halte ich es aber für sinnvoll und wichtig Unzufriedenheiten anzusprechen, damit sich kleine Putzkonflikte nicht zu unüberwindbaren Bergen auftürmen. Das Geschirr sollte es aber auch nicht… Bei vier Gabeln und auch sonst keiner allzu großen Auswahl bleibt einem aber recht schnell sowieso nichts anderes übrig als doch den Lappen in die Hand zu nehmen und abzuwaschen. Damit wäre auch schon die nächste Frage geklärt: Nein, wir haben keinen Putzplan, was das angeht sind wir sehr spontan und flexibel ;)

Nun zum Thema Streit in der WG. Wir haben das Glück, dass wir uns untereinander sehr gut verstehen und super miteinander auskommen. Das macht einiges einfacher als wenn von vornherein die Chemie nicht stimmt. Trotzdem gibt es hin und wieder kleinere Zankereien, die aber nie besonders lang anhalten. Ich denke, das ist normal und auch in Ordnung, solange man sich bemüht sich hinterher wieder zu vertragen. Klar, für ein angenehmes Zusammenleben bedarf es ein wenig Arbeit, aber es lohnt sich! Es gibt nichts schöneres, als sich nach einem halben Jahr schon zu Hause zu fühlen.

Auch die Arbeit ist nach einem halben Jahr Ecuador zu einem Stück zu Hause geworden. Wenn ich mal einen schlechten Tag habe freue ich mich auf sie, was hauptsächlich an den super lieben Tías liegt. Jede einzelne von ihnen ist zu jedem Zeitpunkt freundlich, alle stets hilfsbereit und die Gespräche mit ihnen oft sehr bereichernd. Ich hebe meinen Hut vor der Geduld und der endlosen Liebe, die sie alle für die Kinder, für die anderen Tías und eben auch für uns Freiwillige aufbringen. Da sind auch die Chefinnen keine Ausnahme, selbst wenn wir mit ihnen nicht ganz so viel zu tun haben wie mit unseren Tías. Auch unsere Vermieterin ist für die Fundación tätig und taucht somit immer mal wieder bei der Arbeit auf. Sie ist sehr lieb und hat uns schon bei einigen Wohnungsproblemen geholfen. Wie ihr seht gibt es einige tolle Leute in unserem Umfeld, die uns stets zur Seite stehen, wenn wir jemanden brauchen. Auch hier ist das meine persönliche Meinung, wobei ich mir kaum vorstellen kann, dass man nicht mit ihnen auskommen kann.

Jetzt kommen wir zu meinem Lieblingsthema: Das Essen. Es gibt wirklich leckere Gerichte hier! Trotz aller Tipps und Empfehlungen, was Vorsichtsmaßnahmen angeht, muss ich gestehen, dass recht schnell die Neugier überwogen hat und ich relativ bald alles gegessen habe. Jegliches Obst und Gemüse, Essen an der Straße, Säfte,… Bisher habe ich es nicht bereut. Ich habe viele mir vorher unbekannte, leckere Speisen entdeckt und hatte bisher nie Probleme mit dem Magen. Meine reichliche Reiseapotheke, die so gut wie alles enthält, ist bis auf das Mückenmittel noch vollständig. Vielleicht hatte ich aber auch nur Glück, denn nicht allen ging es immer gut. Wie auch immer, ich liebe das Essen hier! Allein die vielen verschiedenen Früchte, die es in Deutschland nicht gibt. Dann die gefüllten Teigtaschen (Empanadas) oder die in einem Maisblatt gekochten Maisteiglinge (Humitas). Es lässt sich recht gut vegetarisch speisen, wobei es auch sehr viele Köstlichkeiten mit Fleisch gibt, wie zum Beispiel Hornado, das am Stück stundenlang gegarte Schwein, das am Ende ganz zart ist und mit einer speziellen weißen Maisart (Mote) und Avocado serviert wird. Lecker!
Bevor es einen gesundheitlich ganz umhaut, lohnt es sich eventuell schon sich selbst die Zeit zu geben, sich an alles zu gewöhnen. Auch vom Leitungswasser würde ich die Finger lassen. Es gibt Wasser in 20 Liter Kanistern für 1,80$ zu kaufen, das ist eine gute und günstige Alternative. Dennoch sollte man meiner Meinung nach nicht die Chance verpassen, das landestypische Essen zu kosten.

All das, die Wohnung, meine lieben Mitfreiwilligen, die schon zu Freunden geworden sind, die erfüllende Arbeit, die netten Kollegen, das facettenreiche Land und nicht zuletzt das feine Essen haben dazu beigetragen, dass ich mich nach sechs Monaten bereits zu Hause fühle und mir kaum ein anderes Leben vorstellen kann, auch wenn ich mir bewusst bin, dass ich nach weiteren sechs Monaten wieder in Deutschland sein werde, wo ich vor einiger Zeit mein eigentliches Zuhause voller Nervosität verlassen habe. Das ist es eben, was die Halbzeit ausmacht. Man ist sich beider Seiten bewusst. Ich lebe hier und jetzt in Ecuador und weiß doch, dass das nur vorübergehend ist. Ich genieße meine Zeit hier und versuche so viel mitzunehmen wie möglich ist: Erinnerungen an Orte, Menschen, Gespräche, unerwartete oder erfreuliche Situationen, Freunde, Herausforderungen und das Selbstvertrauen sie gemeistert zu haben. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass auch nach meiner Rückkehr etwas von mir hierbleibt. Was das ist kann nicht ich entscheiden, aber ich kann versuchen es so positiv wie möglich zu gestalten.

Das ist mein Ziel!

 

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