Das ist jetzt mein letzter Bericht
und irgendwie ist die Zeit viel schneller vergangen, als ich gedacht hätte. Gerade in den letzten Wochen wusste ich nicht wirklich, was für ein Gefühl ich haben sollte, wenn schon wieder eine Woche vergangen war.
Um ehrlich zu sein, weiß ich gar nicht so richtig, wie ich mich fühlen soll. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich darauf, wieder nach Hause zu kommen, aber auf der anderen Seite finde ich es schon sehr traurig, mich von den Kindern und Educadoras (Erzieherinnen) zu verabschieden. Ich glaube, mir fällt dieser Abschied so schwer, weil ich weiß, dass es schwierig sein wird, mit den Kindern Kontakt zu halten. Zwar haben uns die Educadoras gesagt, dass sie uns Fotos schicken werden und wir immer anrufen können, aber das ist halt nicht dasselbe, wie mit den Kindern zu spielen oder sie einfach im Alltag zu begleiten.
Mir ist auch noch einmal bewusst geworden, dass sich einiges verändert haben wird, auch wenn ich zurück nach Ibarra in die Fundación komme. Es wird nicht mehr so sein, wie ich es jetzt verlasse. Vor allem werde ich wahrscheinlich nicht mehr alle Kinder kennen. Ich glaube, dass genau das den Abschied für mich so schwer macht.
Gestern hatten wir auch die Despedida (Abschiedsfeier), die Claudia für uns alle organisiert hat. Dazu kamen alle Kinder nach Yuyu und wir haben zusammen gespielt und gegessen. Ich muss auch sagen, dass ich es noch einmal schön fand, die Kinder aus den anderen Casas ein letztes Mal zu sehen. Jedes Casa hat einen Tanz aufgeführt und wir haben unsere Geschenke und Karten überreicht. Wir haben auch von den Educadoras, Claudia und den Kindern eine Kleinigkeit geschenkt bekommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut, da ich so auch ein Andenken an die Arbeit und die Fundación habe, die ja den wesentlichen Teil meines Freiwilligendienstes ausgemacht hat.
In den letzten Wochen habe ich ganz viel zum letzten Mal gemacht: Ich war zum letzten Mal beim Salsa-Unterricht, im Gong zum Tanzen und in meinen Lieblingsrestaurants und habe ganz viele Leute zum letzten Mal gesehen.
Bisher konnte ich noch nicht so richtig realisieren, dass ich wirklich bald zurückfliege, weil sich das Leben und der Alltag hier so normal anfühlen. Jetzt wird es erst einmal wieder ungewohnt sein, nach Deutschland zu kommen. Ich finde es schon verrückt, dass sich hier am Anfang alles so anders angefühlt hat und man erst einmal eine Zeit gebraucht hat, um sich einzupendeln, und jetzt ist hier alles so normal geworden.
Insgesamt bin ich sehr glücklich, dass ich mich dazu entschieden habe, einen solchen Freiwilligendienst zu machen, weil ich in diesem Jahr so viel Neues gelernt habe und über mich hinausgewachsen bin. Ich habe so viele neue Einblicke und Erfahrungen gesammelt, die ich nie vergessen werde. Ich glaube, dass dieses Jahr bisher das prägendste für mich war, weil ich so viele Dinge erlebt habe, die ich keinesfalls erlebt hätte, wenn ich direkt nach der Schule mit meinem Studium begonnen hätte. Deshalb bin ich auch ziemlich traurig, mich von Hanna, Elena und Tabita verabschieden zu müssen. Mit ihnen habe ich eine so besondere Zeit in meinem Leben geteilt. Wir sind alle zum ersten Mal von zu Hause ausgezogen, dazu noch in ein anderes Land, das wir vorher nicht kannten, haben eine Arbeit gemacht, die wir vorher noch nie gemacht hatten, und eine neue Sprache gelernt. Das sind alles so einzigartige Erfahrungen, und ich bin froh, mit Hanna, Elena und Tabita Personen zu haben, die all diese Erfahrungen ebenfalls gemacht haben und mit denen ich mich darüber austauschen kann.
Generell war der Austausch mit den anderen immer sehr bereichernd für mich, weil meine Freunde und meine Familie in Deutschland diese Erfahrungen eben nicht gemacht haben und sie daher vielleicht auch nicht ganz so gut nachvollziehen können.
Dieser Freiwilligendienst in Ecuador war für mich eine sehr besondere Zeit und ich kann es nur jedem weiterempfehlen, der neue Erfahrungen sammeln und ein anderes Land kennenlernen möchte.
Ich bin auch sehr zufrieden damit, dass ich in dem Projekt in Ibarra gelandet bin, weil ich Ibarra als eine sehr angenehme Stadt zum Leben empfunden habe. Ibarra hat eine gute Größe, sodass man sich nach ein paar Wochen gut in der Stadt zurechtfinden konnte. Außerdem kann man von dort aus auch schöne Tagesausflüge beispielsweise nach Otavalo, Zuleta oder Cotacachi machen. Nach circa zweieinhalb Stunden Busfahrt ist man in Quito, wo man noch etwas mehr unternehmen kann und ein bisschen mehr los ist.
In der Fundación habe ich mich auch immer gut aufgehoben gefühlt, auch wenn ich am Anfang nur wenig Spanisch konnte. Wenn ich etwas nicht ganz verstanden hatte, waren die Educadoras immer so geduldig, mir etwas noch einmal zu erklären. Auch Claudia hat uns häufig bei Themen rund ums Haus geholfen. Als wir zum Beispiel mehrere Monate kein Wasser hatten, kam sie sofort vorbei, um zu schauen, was das Problem ist.
Ich bin auch sehr froh, dass ich meinen Freiwilligendienst mit der Ecuador Connection gemacht habe, weil dort auch viele der Mitglieder bereits einen Freiwilligendienst geleistet haben. So konnte ich mich beim Vor- und Zwischenseminar gut austauschen und all meine Fragen loswerden.
Wenn ich auf dieses Jahr zurückblicke, bin ich vor allem dankbar für all die Erfahrungen, die ich machen durfte. Ich habe nicht nur ein neues Land und eine neue Kultur kennengelernt, sondern auch viel über mich selbst gelernt. Ich glaube, dass ich aus diesem Jahr viele Dinge für meine Zukunft mitnehmen werde und dass mich die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, noch lange begleiten werden. Außerdem hätte ich vor diesem Jahr nicht gedacht, dass mir der Abschied einmal so schwerfallen würde. Gerade daran merke ich, wie sehr mir die Menschen und das Leben hier ans Herz gewachsen sind.