Nun bin ich schon eine ganze Weile
in Ecuador und in den vergangenen Monaten ist unglaublich viel passiert. Ich durfte zahlreiche neue Erfahrungen sammeln und viele beeindruckende Orte kennenlernen.
Ein besonderes Highlight war das Zwischenseminar meiner Organisation in Malchinguí, einem kleinen Ort in der Nähe von Quito. Dort hatten wir die Gelegenheit, gemeinsam auf unsere bisherige Zeit in Ecuador zurückzublicken und unsere Erfahrungen auszutauschen. Das Seminar fand in einer wunderschönen Kommune statt, in der wir uns sofort willkommen fühlten. Durch die ruhige, ländliche Umgebung konnten wir außerdem einmal richtig abschalten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Temazcal-Zeremonie – eine indigene Schwitzhüttentradition, bei der man gemeinsam in einem stockdunklen, aufgeheizten Raum sitzt und traditionelle Lieder singt.
In den vergangenen Monaten konnte ich außerdem noch viel mehr vom Land entdecken. Nach Reisen in die Kolonialstadt Cuenca, die Nebelwälder von Mindo, den Amazonasregenwald und auf die Galápagosinseln staune ich immer noch darüber, wie vielfältig und wunderschön Ecuador ist. An einem Wochenende erkunde ich den Regenwald, eine Woche später besteige ich einen über 4.500 Meter hohen Vulkan und kurz darauf liege ich am Strand. Auch kulturell ist Ecuador unglaublich vielfältig. Im Amazonasgebiet leben bis heute indigene Gemeinschaften mit ihren eigenen Traditionen, in Cuenca kann man auf den Spuren der Inka wandern und Quito verbindet unterschiedlichste kulturelle Einflüsse miteinander. Gerade diese Vielfalt schätze ich sehr, denn vor meinem Freiwilligendienst hatte ich kaum Berührungspunkte mit Ecuador.
Neben den vielen Wochenendausflügen stand natürlich auch die Arbeit in meinem Projekt im Mittelpunkt. Ich konnte mich noch stärker einbringen, meine Musik-AG weiterführen und den Englischunterricht intensiver unterstützen. Da mir inzwischen alle Abläufe und Routinen vertraut sind, kann ich deutlich selbstständiger arbeiten. Mittlerweile leite ich regelmäßig ganze Unterrichtseinheiten eigenständig und übernehme mehr Verantwortung. Darüber freue ich mich sehr. Die Kinder freuen sich nach wie vor, wenn ich im Unterricht dabei bin – solange ich keinen Test mitbringe – und arbeiten motiviert mit. Auch wenn es gelegentlich noch organisatorische Unklarheiten oder fehlende Absprachen gibt, habe ich inzwischen einen guten Alltag gefunden. Und manchmal sorgen gerade diese kleinen Überraschungen für interessante Erfahrungen.
Da sich mein Spanisch in den vergangenen Monaten deutlich verbessert hat, komme ich inzwischen viel leichter mit Menschen ins Gespräch. Ob mit Taxifahrern, Marktverkäufern oder anderen Menschen im Alltag – ihre Geschichten und Perspektiven kennenzulernen empfinde ich als große Bereicherung. Diese Gespräche haben mich außerdem dazu motiviert, mich intensiver mit den gesellschaftlichen und politischen Hintergründen Ecuadors auseinanderzusetzen.
Da sich mein Freiwilligendienst nun langsam dem Ende zuneigt, lohnt sich auch ein Blick nach vorn. Mir wird immer bewusster, wie sehr mir Ecuador ans Herz gewachsen ist und was mir nach meiner Rückkehr nach Deutschland fehlen wird. Diese Zeit fühlt sich in vielerlei Hinsicht einzigartig an. Für einige Monate lebt man an einem völlig fremden Ort, lernt eine neue Kultur kennen, spricht eine andere Sprache, wohnt zum ersten Mal allein und hat gleichzeitig die Möglichkeit, sich ganz auf diese Erfahrungen einzulassen. Dieser Freiraum ist etwas ganz Besonderes.
Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf meine Rückkehr nach Deutschland. Nach so vielen neuen Eindrücken wird es schön sein, Familie, Freunde und vertraute Orte wiederzusehen. Gerade dieser Mix aus Vorfreude und Abschiedsschmerz zeigt mir, wie wertvoll diese Zeit für mich gewesen ist.
Ich bin unglaublich dankbar für all die Erfahrungen, die ich machen durfte, und für die Menschen, die ich kennenlernen konnte. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass mich dieser Freiwilligendienst auf eine ganz besondere Weise geprägt hat und mein weiteres Leben nachhaltig beeinflussen wird. In einem völlig neuen Umfeld einen eigenen Alltag aufzubauen und gleichzeitig in einem sozialen Projekt mitarbeiten zu dürfen, war eine einmalige Erfahrung, aus der ich sehr viel mitgenommen habe.
Außerdem hat der Freiwilligendienst mein Interesse an Themen wie globaler Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit weiter vertieft. Aus dieser Motivation heraus habe ich mich auch für einen Studiengang entschieden, der sich interdisziplinär mit genau diesen Fragestellungen beschäftigt. Ich möchte mich auch in Zukunft weiter mit diesen Themen auseinandersetzen. Und eines steht für mich schon jetzt fest: Ich kann mir sehr gut vorstellen, eines Tages nach Ecuador zurückzukehren und das Land erneut zu bereisen.