Diese Seite drucken

Elena - 3. Bericht

Nun sind wir nur noch knapp drei Monate in Ecuador

Die vergangenen neun Monate sind unglaublich schnell vergangen. Für mich markieren die Berichte immer die verschiedenen Abschnitte meines Freiwilligendienstes: Zuerst das Ankommen in einer neuen Umgebung, dann die Eingewöhnung in den Alltag, darauf die Vertiefung der Erfahrungen und Beziehungen und schließlich die Abschiedsphase, in der man sich langsam darauf vorbereitet, wieder zu gehen. Je näher das Ende rückt, desto mehr merke ich, wie gerne ich Ecuador inzwischen habe. Das Land, die Menschen, die Landschaften und der Alltag hier sind mir sehr ans Herz gewachsen. Schon jetzt weiß ich, dass ich vieles vermissen werde, wenn ich wieder nach Deutschland zurückkehre.

Dieses Jahr fühlt sich für mich in gewisser Weise auch wie aus der Zeit herausgelöst an. Man lebt für eine begrenzte Zeit an einem völlig anderen Ort, lernt eine neue Kultur kennen und hat keine schulischen oder akademischen Verpflichtungen. Dadurch entsteht ein besonderer Freiraum, in dem man sich ganz auf neue Erfahrungen, Begegnungen und die persönliche Entwicklung konzentrieren kann.

Gleichzeitig freue ich mich aber auch auf die Rückkehr nach Deutschland. Ich freue mich darauf, meine Familie und Freunde wiederzusehen und in meine Heimatstadt zurückzukehren. Nach einem Jahr voller neuer Eindrücke wird es schön sein, vertraute Orte und Menschen wieder, um sich zu haben. Gerade dieser Zwiespalt zwischen Vorfreude auf die Rückkehr und der Traurigkeit über den Abschied zeigt mir, wie prägend und wertvoll dieses Jahr für mich ist.

Ein Ort, der mir in Ecuador beziehungsweise in Ibarra besonders gut gefällt, ist das Café Quindes y Flores mit seinem botanischen Garten. Von diesem Ort erfuhr ich über eine Freundin meiner Mutter. 

Der botanische Garten Quindes y Flores in Ibarra ist ein besonderes Umweltprojekt, das 2018 begann. Zunächst pflanzten die beiden einzelne Bäume und Pflanzen, vor allem Arten, die Kolibris und Schmetterlinge anziehen sollten. Jahr für Jahr kamen weitere Bäume, Sträucher und Blumen hinzu, bis aus dem kleinen privaten Projekt nach und nach ein richtiger botanischer Garten entstand. Dadurch entwickelte sich mitten in der Stadt eine grüne Insel mit einer immer größeren Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Heute ist der Garten ein wichtiger Ort für Naturschutz, Umweltbildung und Erholung. Seit 2023 ist er auch öffentlich zugänglich. Neben einem Café und Führungen steht vor allem die Vermittlung von Wissen über die Natur Ecuadors im Mittelpunkt.

Den Inhabern ist es besonders wichtig, jungen Menschen die Natur wieder näherzubringen. Im Gespräch berichteten sie, dass, wie in Deutschland, viele Jugendliche nur noch wenig Bezug zur Natur ihres Landes hätten. Dabei gehört Ecuador zu den artenreichsten Ländern der Welt. Durch die unterschiedlichen Höhenlagen, Klimazonen und Täler gibt es oft schon zwischen benachbarten Regionen große Unterschiede in der Tier- und Pflanzenwelt. Der Garten soll dazu beitragen, Wissen über die Natur zu bewahren und weiterzugeben.

Im botanischen Garten leben inzwischen etwa 36 verschiedene Vogelarten und vier verschiedene Froscharten. Besonders bekannt ist der Garten für die vielen Kolibris, die dort durch die speziell angepflanzten Blumen und Bäume Nahrung finden. Besucherinnen und Besucher können bei Führungen mehr über die Tiere und Pflanzen lernen und die Natur aus nächster Nähe erleben. Besonderen Wert legen die Inhaber dabei auf die Anpflanzung heimischer Arten.

Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, zu zeigen, wie wichtig Natur auch für die Gesundheit des Menschen ist. In Zusammenarbeit mit einer Universität aus Ibarra wurde untersucht, wie sich ein Aufenthalt im Garten auf das Wohlbefinden auswirkt. Dabei wurde unter anderem der Puls von Personen vor und nach dem Aufenthalt im Garten gemessen.

Außerdem engagieren sich die Inhaber für die ökologische Vernetzung innerhalb der Stadt. Geplant ist ein zusätzlicher „Luftkorridor“ vom Garten bis zu den Bergen rund um Ibarra. Dafür sollen in Parks und entlang von Straßen weitere Bäume und Sträucher gepflanzt werden, damit Vögel, Insekten und andere Tiere sichere Verbindungen zwischen Stadt und Natur nutzen können.

Der Garten entwickelt sich ständig weiter. Ein neuer Bereich widmet sich besonders Orchideen, Bromelien und Begonien. Ecuador besitzt eine außergewöhnlich große Vielfalt dieser Pflanzenarten. Mit den verschiedenen Bereichen des Gartens möchten die Inhaber die biologische Vielfalt Ecuadors sichtbar machen und Besucherinnen und Besucher dafür sensibilisieren.

Zusätzlich zum Garten ist Quindes y Flores ein wunderschönes Café mit leckerem und preiswertem Essen. Besonders gefällt mir die ruhige Atmosphäre. Der Garten lädt dazu ein, Zeit in der Natur zu verbringen, Vögel zu beobachten oder einfach eine Pause vom oft hektischen Alltag zu machen.

Mit ihrem Projekt möchten die Gründer von Quindes y Flores zeigen, wie wertvoll die Natur Ecuadors ist. Der Garten soll nicht nur Pflanzen und Tiere schützen, sondern auch Menschen inspirieren, bewusster mit ihrer Umwelt umzugehen und die Schönheit der Natur stärker wahrzunehmen. Für mich ist Quindes y Flores deshalb nicht nur ein schöner Ausflugsort, sondern auch ein Beispiel dafür, wie Engagement und Begeisterung dazu beitragen können, Natur zu schützen und gleichzeitig Wissen über sie weiterzugeben.