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Hanna - 2. Bericht

Seit knapp über sechs Monaten

bin ich in Ecuador und es ist unglaublich viel passiert. Die Zeit im letzten halben Jahr ist wie im Flug vorbeigegangen und selbst in den letzten drei Monaten, seit meinem letzten Bericht, haben wir alle so viel erlebt. Wir sind durch das Land gereist, haben Weihnachten, Silvester und Karneval hier gefeiert. Wir haben noch mal zwei neue Mitbewohner bekommen, Fiona und Simon, und haben zusammen am Zwischenseminar teilgenommen. Und auch auf der Arbeit war entsprechend viel los. Mit den Kindern haben wir die Feiertage zelebriert, Geburtstage gefeiert und das Schulhalbjahr beendet. Doch bei all dem, was ich schon gelernt habe und was schon passiert ist, weiß ich auch, dass noch einmal genauso viel auf mich zukommen wird. Jeden Monat, jede Woche und jeden Tag lerne ich etwas Neues. Ich habe noch nicht zwei Tage erlebt die gleich waren. Umso komischer kam es mir vor, als die ersten Freiwilligen nach nur sechs Monaten ihren Freiwilligendienst beendeten und zurück nach Deutschland kehrten. Wer sich bei Weltwärts bewirbt, hat die Wahl: möchte er oder sie sechs Monate lang ins Ausland gehen, ein Jahr, zwei Jahre oder irgendetwas dazwischen.

In der Bewerbungsphase des Freiwilligendienstes scheint es den meisten Leuten am praktischsten, nur für eine kurze Zeit ins Ausland zu gehen. Ob zehn, neun oder nur sechs Monate: Freiwilligendienste mit kurzer Dauer scheinen sehr attraktiv. Genauso ging es auch mir. Der Gedanke, erst im August oder September nach Deutschland zurückzukehren, innerhalb kürzester Zeit, eine Wohnung zu suchen, sich neu einzurichten und sich auf das Studium vorbereiten zu müssen schien fast unmöglich. Daher interessierte ich mich vor allem für die Freiwilligendienste, die kürzer als ein Jahr dauerten.

Als ich mich bei der Econ bewarb, gab den ich für die gewünschte Dauer meines Freiwilligendienstes zehn Monate an. Einer der Gründe, warum ich mich überhaupt bei der Econ bewarb, war dass, Freiwilligendienste mit kürzerer Dauer von zehn oder elf Monaten angeboten wurden. Als ich mich dann stärker mit der Organisation auseinandersetzte, überzeugten mich auch die Projekte. Also schrieb ich meine Bewerbung und kurze Zeit später traf ich mich für ein Bewerbungsgespräch mit zwei ehemaligen Freiwilligen der Organisation. Die beiden waren vor ein paar Jahren selbst Weltwärts-Freiwillige mit der Econ gewesen und haben sich danach entschlossen, sich weiterhin freiwillig für die Organisation in Deutschland zu engagieren. Sie berichteten mit Begeisterung über ihre eigenen Erfahrungen, die Organisation und das Land Ecuador. Einer der beiden erzählte, dass er ein Freiwilligendienst mit nur elf Monaten geleistet hatte. Seiner eigenen Erfahrung nach riet er mir, dies nicht zu machen. Er erklärte mir, dass die letzten Monate die schönsten seien. Man habe sich auf der Arbeit gut eingearbeitet, keine Probleme mit der Sprache mehr, man ist eng mit den anderen Freiwilligen zusammengewachsen und hat vor Ort auch Anklang gefunden. Außerdem wäre ein Studiumstart auch nach einem zwölfmonatigen Freiwilligendienst, bei dem man erst im August zurückkommt, gut möglich.  Jedes Jahr gibt es tausende Weltwärts-Freiwillige, die nach ihrem Dienst anfangen zu studieren. Als ich ein paar Tage nach dem Gespräch dann das Angebot für ein zwölfmonatigen Freiwilligendienst bekam, fühlte ich mich so sicher mit der Organisation, war so überzeugt von dem Projekt und von der Stadt Ibarra, dass ich auch den ganzjährigen Freiwilligendienst machen wollte. Also nahm ich das Angebot an.

Und jetzt, wo das erste halbe Jahr wie im Flug vergangen ist und die ersten Freiwilligen wieder nach Deutschland gegangen sind, bin ich froh darüber, für ein ganzes Jahr hier zu sein. Ich bin dankbar, dass ich mich noch nicht verabschieden muss. In der Wohngemeinschaft, in der wir nun zu sechst wohnen, haben wir uns gerade erst richtig eingelebt, die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen, von den Educadoras und allen anderen Personen, denen wir im Alltag begegnen, will ich mich noch nicht verabschieden müssen.

Ganz abgesehen davon, dass im Projekt das ganze Jahr über Freiwillige gebraucht werden und nicht nur zehn von zwölf Monaten des Jahres, bin ich gespannt auf alles, was noch kommt. Ich freue mich auf meinen Alltag, der gefüllt ist von unserer Arbeit, netten Abenden mit meinen Mitfreiwilligen, unseren Salsastunden und vieles mehr, was ich so nicht in Deutschland erleben würde. Auch Highlights wie unsere nächsten Urlaube lösen bei uns allen Vorfreude aus. Mit unserer Chefin hier vor Ort wollen wir demnächst auf die Finca der Fundación fahren. Dort würden wir eine Woche lang auf der Kakaoplantage mitarbeiten.

Ich bin dankbar für alles, was ich hier lernen Leben und sehen darf und bin froh, dass ich noch ein weiteres halbes Jahr von meinem Freiwilligendienst hier in Ecuador profitieren darf.