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Kristin Buyer - 3. Bericht

Weiß nicht

Früher war ich immer froh, mich auf eine gewisse Beständigkeit in meinem Leben verlassen zu können. An Silvester wusste ich immer, dass ich das kommende Jahr wieder in die Schule gehen würde, im Sommer in den großen Urlaub mit meiner Familie und Freunden und einmal pro Woche in den Querflötenunterricht.

Vorletztes Silvester hatte ich aber plötzlich keine Ahnung mehr. Ich wusste, dass ich mein Abitur machen werde, aber danach? Einen Freiwilligendienst wollte ich schon immer gerne machen, allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt, noch nicht die Zusage. Ich wusste also nicht ob es überhaupt klappen würde, und wenn, wo ich dann hingehen würde. Am Anfang hat mir das ein bisschen Angst gemacht und dann ist da natürlich immer der Druck („Was machst du denn nach deinem Abi“), aber irgendwann fand ich das sogar ganz spannend. Klar, musste ich auf diese nervige Frage immer mit einem „weiß nicht“ antworten, aber das hieß ja auch andererseits, dass ich noch so viele Möglichkeiten hatte.

Auch dieses Silvester fand ich mich wieder in derselben Situation vor. Ich wusste, ich werde mein Auslandsjahr im August beenden. Aber danach? Ich möchte gerne Medizin studieren, aber ob ich damit schon dieses Jahr anfange, ein Jahr später oder vielleicht doch etwas ganz anderes studiere, weiß ich noch nicht. Ich bin ungewiss, ob ich die zweite Hälfte dieses Jahres studieren werde, ein Praktikum mache, arbeite, reise, oder vielleicht einfach nochmal einen Freiwilligendienst… All diese Möglichkeiten stehen mir offen, und abgesehen von dem Studienplatz, den ich eben bekomme oder auch nicht, kann ich dann einfach machen, worauf ich Lust habe.

Auch in Ecuador sind viele Dinge ungewiss. Wenn ich morgens zur Arbeit geh, weiß ich nicht von wie vielen Kindern ich heute die Kleidung wechseln muss, weil die Windel nicht gehalten hat. Wenn eine der tías mit einem fröhlichen „ya vengo, ya“ (bin gleich wieder da) den Raum verlässt, weiß ich nicht ob sie in zwei Minuten, 15 Minuten oder zwei Stunden zurückkommt. Beim Busfahren kann ich nie mit Sicherheit sagen, wann der Bus kommt; nach jedem Essen bleibt die Spannung wie gut mein Magen es verträgt und dann ist da noch die ständige Ungewissheit wie lange das Gas noch für warmes Wasser in unserer Wohnung reicht.

Wenn ein Kind neu in die Fundación kommt, weiß auch niemand so genau, wieviel es schon gelernt hat, und wie genau es sich noch entwickeln wird. Bei einem Kind hat mich die Entwicklung besonders beeindruckt und gefreut. Ein Junge ließ sich nie die Zähne putzen, da er große Angst davor hatte. Ich war gerade in seiner Gruppe, als die tías sich dann überlegt haben, wie man ihm diese Angst nehmen kann. Wir haben dann damit angefangen, ihn mithilfe der Zahnbürste mit Wasser zu bespritzen und ihn immer dabei zugucken lassen wie sich die anderen die Zähne putzen. Inzwischen lässt er sich ganz ruhig, mit einem leicht verwirrten Gesichtsauszug die Zähne putzen und hat einen Riesenspaß daran die anderen Kinder, tías und Freiwillige mit der Zahnbürste nasszuspritzen.

Ungewissheit heißt also nicht automatisch immer Planlosigkeit und hat nicht immer eine negative Bedeutung. Sie kann auch einfach eine Menge an Möglichkeiten, Chancen und Herausforderungen sein, dass zu tun was man möchte, und sich mit dem, was passiert, zurechtzufinden. Bescheid zu wissen und einen Plan zu haben, gibt uns oft Sicherheit und beruhigt uns, dabei schafft ein bisschen Ungewissheit eine positive Unruhe und macht das Leben weniger eintönig und langweilig.

Ich habe mir nach einem dreiviertel Jahr Freiwilligendienst jetzt vorgenommen, die Zukunft einfach auf mich zukommen zu lassen, das Beste zu hoffen und mir keinen Stress zu machen, den Leuten einen Plan für das nächste Jahr vorlegen zu können.

 

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