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Elena Bühler - 2. Bericht

Arroz Con Pollo

Auch wenn man kein Spanisch kann - nach spätestens einer Woche in Ecuador weiß man, was diese drei Worte bedeuten: „arroz con pollo“ zu Deutsch „Reis mit Hühnchen“. So ziemlich an jeder Straßenecke wird fast ausschließlich dieses Gericht für ein paar Dollar angeboten. Ausgewogene Ernährung sieht anders aus, oder?

Tatsächlich bildet Reis hier ein extrem wichtiges Grundnahrungsmittel, das in jedem Gericht zu finden ist. Neben Reis werden aber auch Beilagen wie Kartoffeln, Yuca (Wurzelgemüse) und Platanos (Kochbananen) angeboten. Zum Frühstück gibt es meistens Brötchen mit Eiern und einem Kaffee. Typisch für ein Mittagessen ist eine Suppe zur Vorspeise und anschließend Reis mit Hülsenfrüchten oder Fleisch. Im Vergleich zu deutschen Gerichten wird hier sehr wenig frisches Gemüse gegessen, dafür aber viel mehr, beziehungsweise so gut wie bei jeder Mahlzeit, Fleisch. Neben Hühnchen ist Schweine- und Rindfleisch sehr beliebt. Zu besonderen Anlässen gibt es auch mal Cuy, Meerschweinchen.

Gerade bei Feierlichkeiten wie zum Beispiel Geburtstagen wird viel Fettiges und Süßes gegessen. Das heißt also Fast Food, Süßigkeiten und ausschließlich Soft Drinks. Im Alltag ist es üblich,  dass hier kein Wasser getrunken wird, sondern selbstgepresster Saft, der gefühlt zur Hälfte aus Zucker besteht, oder Milch, die noch extra gesüßt wird. Nach meinem Geschmack werden alle Lebensmittel, die sowieso schon süß sind, noch extrem gezuckert. Bei uns in der Arbeit essen die Kinder morgens häufig Gelatine, Espuma (ein typischer ecuadorianischer Zuckerschaum) oder extrem künstliche Joghurts.

Ein weiterer Unterschied zur Essenskultur in Deutschland sind die Snacks. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man sich öfters sein eigenes Essen mitnimmt, werden hier überall auf der Straße und in den Bussen Bonbons, Chips, Kekse oder Schokolade angeboten. Besonders viele Venezolaner nutzen diese Möglichkeit, um Geld zu verdienen, indem sie Süßigkeiten weiterverkaufen. Die Leute kaufen also oft zwischendurch eine Kleinigkeit, und es ist auch üblich, dass die Kinder, sobald sie die Schule verlassen, ein Eis oder ähnliches von den Eltern bekommen, anstatt ein mitgebrachtes Obst oder ein Vesperbrot zu essen.

Eigentlich wird hier alles immer frisch gekocht, doch wenn es um Süßigkeiten geht, wird eher auf die Konditorei oder die Süßwarenabteilung im Supermarkt zurückgegriffen. Es wird kaum ein Kuchen selbstgebacken und auch die ganzen Snacks bestehen aus ziemlich vielen Zusatzstoffen und Aromen.

Wenn man das so hört, könnte man meinen, dass das Essen hier nicht besonders bewusst konsumiert wird und meistens ungesund ist. Auf der anderen Seite ist jedoch die Menge an unverarbeiteten Produkten viel höher als in Deutschland. Die Leute gehen hier auf den Markt und kaufen regionales und saisonales Obst und Gemüse. Angebaut wird hier im Allgemeinen so gut wie alles, da Ecuador klimatisch und landwirtschaftlich so vielseitig ist, dass hier nicht nur exotische Früchte wachsen, sondern in den kälteren und höher gelegeneren Gebieten auch Kartoffeln oder Äpfel geerntet werden. Besonders Obst gibt es hier in allen Farben, Formen und Größen. Wenn man über den Markt läuft, findet man nicht nur Bananen, Ananas und Mangos, sondern auch einige Früchte, die nicht einmal nach Deutschland exportiert werden, wie zum Beispiel Pitahaya, Guayaba, Babaco, Guanabana, Naranjilla und so weiter. Paradoxerweise essen die Ecuadorianer, obwohl es hier so viele und auch billige Früchte gibt, nicht mehr Obst als wir.

Das Essen im Allgemeinen hat hier auch eine andere Bedeutung als bei uns. Besonders bei Krankheiten werden eher Naturarzneimittel verwendet. So glauben die Ecuadorianer, dass die Frucht Guayanabana gegen Krebs hilft, Löwenzahn gegen Hexenschüsse, oder Baumtomaten gegen Halsschmerzen.

Durch die vier verschiedenen Klimazonen unterscheiden sich auch die typischen Gerichte von Region zu Region. Zum Beispiel werden an der Küste und auf den Galapagos Inseln viel Fisch und Meeresfrüchte gegessen, im Hochland dagegen vorwiegend Fleisch und Tortillas und im Regenwald sehr viel Yuca. Yuca, auch Maniok genannt, ist eine kartoffelähnliche Wurzel, die sehr vielfältig zubereitet werden kann. So wird sie entweder gekocht, frittiert oder zu Mehl verarbeitet. Unter anderem kann man aus dem Mehl Brot oder Fladen zubereitet werden.

Vor allem die Einheimischen verkaufen auf der Straße Gerichte, die nur aus natürlichen Zutaten bestehen. Mein Lieblingsgericht sind zum Bespiel Tortillas de Papas (Kartoffelplätzchen), die mit einem Spiegelei, einem Stück Avocado und Salaten aus Rotebeete, Tomaten und Zwiebeln serviert werden.

Wenn man mal von dem Standard Gericht „Arroz con Pollo“ absieht, hat man hier auf jeden Fall die Möglichkeit, abwechslungsreich zu essen. Wie schon gesagt, kann man auf dem Markt ganz viel frisches Obst und Gemüse kaufen, was auch sehr billig ist. Da wir eh in der Nähe vom Markt leben, bietet es sich für uns auch an, dort unsere Lebensmittel zu kaufen und jeden Tag abwechslungsreich und gesund zu kochen. So lässt sich auch das eintönige Mittagessen auf der Arbeit aushalten, wo ich immer verzweifelt versuche, meinen trockenen Reis mit übrig gebliebener Suppenbrühe zu mischen, um die fehlende Soße zu ersetzen.

 

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