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Paula Pieper - 1. Bericht

Drei Monate sind nun vergangen, seit ich zum ersten Mal ecuadorianischen Boden betreten habe, und es kommt mir so vor, als hätte ich in dieser kurzen Zeit bereits so viel Neues erlebt, wie noch nie zuvor.

Neue Wohnung, neue Arbeit, neue Kultur, neues Land... man könnte fast sagen, neues Leben.

Besonders die Arbeit ist eine ganz neue Erfahrung für mich, die mir mal gute, mal schlechte Laune bereitet, meistens mit viel Spaß, dabei aber gleichzeitig auch mit einigen Herausforderungen verbunden ist.

Ein Erlebnis während der Arbeitszeit, welches mir ganz besonders in Erinnerung geblieben ist, möchte ich hier mit Euch teilen. Dabei geht es mir in erster Linie gar nicht darum, auf ein schlimmes Familienschicksal aufmerksam zu machen, sondern vielmehr um das, was daraus entstanden ist. Eine innige Brüderschaft mit starkem Zusammenhalt, trotz, oder vielleicht gerade wegen schwieriger Umstände.

Der Junge, um den sich diese Geschichte handelt, lebt in der ,,Casa Hogar“, das ist eine Art Waisenhaus, in dem ca. die Hälfte der Kinder und Jugendlichen meiner Arbeitsstätte, der Fundación, leben.

Vorher lebte der Junge mit seinen drei Geschwistern und seiner Mutter auf der Straße. Wenn seine Mutter plötzlicher weise mal für ein paar Tage spurlos verschwand, war es die Aufgabe des älteren Bruders, ihn in Obhut zu nehmen und sich um ihn zu kümmern. Erschwert durch das junge Alter der beiden, damals waren sie in etwa fünf und sieben Jahre alt, kam auch noch ein besonderer Pflegeaufwand aufgrund seiner Behinderung hinzu.

Nachdem die Kinder nach einiger Zeit durch Sozialarbeiter in Waisenhäuser aufgenommen wurden, trennten sich jedoch ihre Wege und einer der Brüder lebt seitdem in einer Einrichtung ganz im Norden Quitos, der andere ganz im Süden.

An besagtem Tage war es jedoch wieder soweit und wie ca. einmal im Monat, kam der große Bruder seinen kleinen Bruder in der Fundación besuchen.

Die Vorfreude war groß und den ganzen Morgen hörte man den Jungen nur ,,ñaño ñaño“, für mich irgendwelche wahrlosen Laute, rufen.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen, versuchte der Junge mit seinem spärlichen und nicht allzu verständlichen Wortschatz, seinem großen Bruder, tatsächlich mehr mit Händen und Füßen, als mit Worten, von seinem Tag zu erzählen. Kommunikationsprobleme waren allerdings keine in Sicht, schließlich kennen sich die zwei besser als so manch andere Geschwister, und es entstand eine lebhafte ,,Unterhaltung“, bei der einem schon das Zusehen Schmunzeln bereitete.

Daraufhin verbrachten die beiden noch etwa zwei Stunden zusammen im Park, spielten mit Seifenblasen, schaukelten und spielten Fußball. Auch dies geschah fast ganz ohne Worte, aber die waren auch wirklich gar nicht nötig.

Als es dann am Nachmittag für den großen Bruder wieder Zeit war zu gehen, gab es für den kleinen Bruder noch eine Überraschung von ihm. Aus seinem Rucksack holte er eine Kuscheltierschildkröte hervor, welche von dem Kleineren der beiden mit strahlenden Augen und weit ausgestreckten Armen empfangen wurde. Ein Abschiedsgeschenk zur Erinnerung. Gefolgt von einer langen Umarmung, die für die beiden wahrscheinlich am liebsten gar nicht mehr geendet hätte, und dem Versprechen des großen Bruders, bald wiederzukommen, war das Geschwistertreffen vorbei und kurzer Traurigkeit wich sofort die Vorfreude auf das nächste Wiedersehen.

Während dieser, wenn auch kurzen, Zeit, wurde mir sofort die starke Geschwisterliebe und innige Beziehung der beiden Jungen deutlich. Es war super schön die freudestrahlenden, lachenden Gesichter anzusehen, den beiden beim gemeinsamen Spielen und Herumtoben zuzusehen und ihre lebhafte und positive Art mitzuerleben.

Im Nachhinein wurde mir erst bewusst, was der Junge mir den ganzen Morgen versucht hatte, mitzuteilen. Das andauernde ,,ñaño“ aus seinem Mund bedeutet auf Kichwa, einer indigenen Sprache aus dem Andenraum Südamerikas, großer Bruder.

So endete die kleine Familienzusammenkunft und schon hoffentlich bald tönt es wieder ,,ñaño ñaño“ durch die Flure der Fundación.

 

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