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Jonathan Sommer - 1. Bericht

„Ecuador ama la vida“

Ecuador ama la vida – Ecuador liebt das Leben. Unter diesem Slogan lässt sich das ecuadorianische Lebensgefühl wohl sehr gut zusammenfassen.

 

ecalv[1]

Ganz Quito, sogar ganz Ecuador sind übersäht von diesem Slogan: auf Schuluniformen, den verschiedensten Ministerien sowie auf allen möglichen Fernbussen und jeglichen Souvenirs.  Ursprünglich aus dem Tourismusbereich kommend, verbergen sich dahinter Werte wie Gelassenheit, Lebensfreude, Gastfreundschaft und gegenseitiger Respekt.

Ob wegen der Gelassenheit wohl die ständigen Verspätungen kommen? Inzwischen durften wir ja bereits erfahren, dass „Morgen“ etwa „In einer Woche“ bedeutet. Sich auf die „ecuadorianische“ Gelassenheit einzulassen bedeutet gleichzeitig aber auch, einige Situationen nervenschonender zu meistern. Ich werde allerdings noch lernen müssen, in welchen Situationen jeweils die stereotypische „deutsche“ Genauigkeit und wann „ecuadorianische“ Gelassenheit angebracht ist.

Die lateinamerikanische ansteckende Lebensfreude scheint zwar zunächst auch nur ein Stereotyp zu sein, allerdings ist sie unter anderem auch charakteristisch für den ecuadorianischen Lebensstil. Betritt man hier die Straßen oder schon morgens einen der Klassenräume der Fundacion, so schallt einem Musik entgegen und sorgt so für gute Laune. Auch das Vorurteil, dass alle Lateinamerikaner/innen tanzen können, scheint in Ecuador zu stimmen. Fast alle kennen jegliche Formen von Salsa und Bachata und tanzen scheint hier irgendwie ein Teil der DNA zu sein.     

Die Offenheit und Gastfreundlichkeit der meisten Ecuadorianer/innen macht eine Eingewöhnung in Land und Kultur schlussendlich wirklich leicht - auch wenn alles zu Beginn sehr viel anders ist, als das, was man von Zuhause kennt. Ecuador liebt also wirklich das Leben in seinem vollem Umfang, das ebenfalls Natur, Tiere, andere Kulturen und nicht nur die eigene Nation umfasst.

Das ecuadorianische Zusammenleben ist zudem geprägt von gegenseitigem Respekt, aber auch von Demut. Jede Lebensform wird akzeptiert und Religion spielt eine sehr große Rolle. Knapp 75% der Bevölkerung gehören der römisch-katholischen Glaubensrichtung an. So wird vieles von einem großen Teil der Bevölkerung als Gottes Geschenk angesehen. Daraus ergibt sich eine besondere Verantwortung für Umwelt und Mitmenschen. Der Slogan kann deswegen auch als Aufforderung verstanden werden; Ecuadorianer/innen sollen das Leben lieben, als Geschenk annehmen, weiter pflegen und genießen.                                                                                   

Die meisten Menschen hier sind vielleicht nicht die Wohlhabendsten in ökonomischer Hinsicht, auch das sollte in diesem Bericht nicht verschwiegen werden. Dennoch sind sie sehr reich in anderer Hinsicht: in Liebe, Hingabe und sozialen Beziehungen. Die Familie wird hier als eines der wichtigsten Güter angesehen. So wohnen die meisten Ecuadorianer/innen noch bis in ein höheres Alter mit der Familie zusammen.

Nationalgefühl

Gleichzeitig steckt hinter Ecuador ama la vida allerdings auch eine gewaltige Portion Nationalstolz. Der Slogan vereinfacht die Identifikation mit dem Land und lässt eine nationale Identität und ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. „Und, wie gefällt dir Ecuador?", „Wie gefällt Dir unser Essen, hast Du das schon probiert?" und „Wo bist du denn schon hingereist?“. Diese Fragen gehören zu den häufigsten, die mir gestellt wurden. Man merkt sehr schnell, wie gern die Menschen in ihrem Land leben, dass sie stolz auf Ihre Kultur, Ihre Natur und Ihr Ecuador sind.

 

Denn das Land mag zwar klein sein, aber der Andenstaat weist eine unglaubliche Vielfalt auf. Die Nation lässt sich in vier geographische Zonen einteilen, die Sierra (zentrale Andenregion), die Costa (Küste), das Oriente (das Amazonas Tiefland) sowie die weiter westlich vom Festland liegenden Galapagos-Inseln. Diese 4 „Welten“ weisen jeweils topographisch sowie klimatisch unterschiedliche Eigenheiten auf, was dieses Land nach Humboldt zu einer der „interessantesten [Gegenden] dieser Welt“ macht. 

Auch kulturell bietet das Land so einiges. So gibt es in den unterschiedlichen Regionen unterschiedliche kulturelle Begebenheiten. Sie unterscheiden sich sehr in Essen, Kleidung usw. Man trifft nicht selten auf Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen in ihrer traditionellen Kleidung. So scheint es, dass indigene Kulturen in der Zeit des spanischen Kolonialismus bis 1821 nicht vollkommen verdrängt wurden und es so heute noch unzählige solcher Kulturen gibt. Dies gibt uns die Möglichkeit sie in der weiteren Zeit unseres Freiwilligendienstes noch tiefer zu entdecken und zu erfahren.   

 

Yo amo la vida

Dennoch bedeutet dieser Slogan derzeit für mich allerdings noch etwas komplett anderes. Es dient als eine Art Erinnerungsstütze. Denn auch nach 3 Monaten hier in Quito, nach 3 Monaten Arbeit in der Fundacion Esperanza und nach 3 Monaten Spanisch, habe ich noch immer nicht realisiert, wo ich mich befinde. Anfangs des Jahres saß ich in meinem Zimmer und dachte daran, wie es mit mir nach meinem Schulabschluss weitergehen soll. Noch vor knapp 3 Monaten hob unser Flugzeug in Richtung unserer neuen Heimat ab und jetzt ist schon Zeit für meinen ersten Bericht aus Ecuador.  

Diese 3 Monate, für die ich sehr dankbar bin, haben mir gleichzeitig so viel eröffnet, aber auch so wenig. Mir wurden neue Sichtweisen eröffnet, ich konnte viel lernen, viel über mich, viel über meine eigenen Schwächen und Stärken. Doch die kurze Zeit hat es mir bisher unmöglich gemacht, die hohe Diversität, das Bunte, in seinen vollen Zügen erfassen. Dadurch sind wir sehr gespannt, was die Zeit für uns Freiwillige hier noch bereithält. Und so muss ich leider noch ein bisschen warten, bis auch ich mit vollem Herzen rufen kann: Ecuador ama la vida!

 

 

[1] Quelle: http://goldenvaluecompany.com/certificaciones/ecuador-ama-la-vida-2/

 

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