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Lea Krätzig - 3. Bericht

Ich erinnere mich, das als ich im Mai für 2 Wochen mit meinen Eltern das Andenhochland Ecuadors, Guayaquil und die Galápagos Inseln besucht habe, mir die Vielfalt dieses Landes, das doch irgendwie meist vorherrschende Durcheinander und Aufeinanderprallen von unterschiedlichen Ethnien, Lebens- und Denkweisen, zum ersten Mal so richtig bewusst geworden ist. In solch einer kurzen Zeit habe ich so viel verschiedenes gesehen - sowohl Natur, als auch Mensch - dass ich es nach den ersten Stationen unserer Reise kaum noch glauben konnte, in ein und dem selben Land zu sein, wie noch 2 Tage zuvor. Wie kann dieses Land funktionieren? Wie funktioniert das Zusammenleben so vieler unterschiedlicher ethnischer Gruppen und Teilkulturen? Ist es ein akzeptierendes, anerkennendes und gleichwertiges Miteinander? Oder doch eher ein von Ignoranz, Klassifizierung und Vorurteilen geprägter Alltag?
Auch nach nun fast 11 Monaten in diesem Land kann ich dazu nur eine grobe persönliche Einschätzung abgeben. Es gibt so vieles, was ich nicht verstehe. Ich bin nur Gast in diesem Land. Zwar länger und mit tieferem Einblick als der typische Backpacker, der sich aus dem globalen Norden auf wilde Abenteuerreise durch fremde südamerikanische Kulturen macht, aber immer noch ein aus der Masse herausstechender Gast, dem man weder seine Spanisch-Kenntnisse, noch seine bisherige Aufenthaltsdauer in diesem Land auf den ersten Blick ansieht. Doch so oder so bin ich Teil der Diversität dieses Landes geworden und davon möchte ich berichten.
Diversität ist in erster Linie etwas positives für mich. Sie gibt den unterschiedlichen Bewohnern dieser Erde die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch und zum Lernen voneinander. Diversität bereichert, sowohl persönlich, als auch ganze Gruppen von Menschen. An einem solchen bereichernden Austausch nehme ich durch meinen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst hier in Ecuador direkt und persönlich teil. Nicht nur mit der ecuadorianischen Bevölkerung habe ich die Möglichkeit mich auszutauschen und weiterzubilden, auch beispielsweise mit meinen italienischen Mitfreiwilligen auf der Arbeit oder anderen ebenfalls „ausländischen“ Bekanntschaften, die man auf den Reisen durch das Land gemacht hat. Jede Unterhaltung, sei sie noch so kurz und wird meine Tätigkeit als Freiwillige oder die Interessen meines Gegenübers auch doch nur eher oberflächlich gestreift, sie bereichert, ergänzt oder verändert das Bild, dass wir von unserem Gegenüber vielleicht noch zu Beginn oder vor unserer Unterhaltung hatten. Das schöne ist jedoch, dass solche Unterhaltungen - seien sie aufgrund einer sich dem Ziel nähernden Taxifahrt oder der späten Stunden und schallenden Lautstärke in einem Lokal nicht zu einem raschen Ende verdammt - selten nur kurz und oberflächlich bleiben. Mir
und meinem Tun wurde stets viel Interesse entgegengebracht und auch ich habe immer Freude gehabt an den Erfahrungen und Erlebnissen anderer. Diversität bringt die Möglichkeit von vielfältigem und breitem Wissen mit sich. Wissen über das Leben in anderen Ländern, anderen Kulturen, anderen familiären, politischen oder gesundheitlichen Umständen. Dieses Wissen, das bei den meisten Menschen wohl aus persönlichen Erfahrungen entstanden ist, gilt es zu verbreiten, zu teilen und zu vertiefen.
Denn wenn dies nicht auf gewissenhaftem Wege geschieht, bringt Diversität auch immer Unwissen, Abgrenzung und negative Vorurteile mit sich. Mit dieser Seite musste ich während meiner vergangenen 11 Monate hier auch lernen umzugehen. Ich bin blond, habe helle Augen, bin größer als der/die DurchschnittsecuadorianerIn. Ich falle auf. In Deutschland bin ich das nicht. Hier bin ich, wie schon erwähnt, ein aus der Masse herausstechender Gast, eine offensichtliche Ausländerin. Das war etwas komplett neues für mich. Grundsätzlich sind Europäer nun vielleicht nicht die Ausländer in Ecuador, denen vorschnell negative Vorurteile entgegengebracht werden. Trotzdem erschreckte mich doch hin und wieder die Einfältigkeit, mit welcher man Ausländern hier meist entgegentritt. Offenbart man, dass man aus Deutschland ist, kommt leider mit einer recht großen Wahrscheinlichkeit nach den ersten Gesprächsmomenten das Thema „Hitler“ auf. Als sei dies der einzige markante Punkt in unserer Geschichte und als mache die Zeit unter dessen Regime immer noch einen großen Teil unseres heutigen Charakters aus. Meist sind es jedoch gar nicht einmal vorwurfsvolle oder negative Fragen, Behauptungen oder Eigenschaften, die mir in solchen Gesprächen entgegengebracht wurden. Nein, eher im Gegenteil. Ich wurde gefragt, ob Hitler denn nicht ein guter Staatsmann und Kanzler gewesen sei oder ob wir unsere tolle Eigenschaft der Pünktlich nicht vor allem ihm zu verdanken hätten. Ich habe mich während solcher Gespräche immer extrem unwohl und unsicher gefühlt, das möchte ich hier ganz offen sagen. Auch nach mehreren solcher Gespräche, war ich jedes weitere Mal doch irgendwie unvorbereitet und überrumpelt. Im Anschluss, wenn ich Zeit hatte über das Geschehene nachzudenken, bin ich dann meist erst einmal wütend geworden. Muss ich mich damit abfinden als Deutsche immer mit diesem schrecklichen Teil unserer Geschichte identifiziert zu werden? Wie kann und vor allem soll ich angemessen damit umgehen? Kann ich an diesen gefestigten Bildern in den Köpfen der meisten Menschen, mit denen ich hier darüber gesprochen habe, überhaupt irgendetwas ändern? Wieso ist die Bildung in diesem Bereich keine bessere?
Dann denke ich mir aber auch wieder: Was weiß ich denn genau über die Geschichte Ecuadors? Oder der anderen südamerikanischen Länder? Habe ich überhaupt ein Recht mich darüber zu beschweren oder mich davon angegriffen zu fühlen? Sie haben es ja eigentlich nie böse gemeint.
Auch muss ich über die negativen Vorurteile gegenüber den ecuadorianischen Nachbarländern nachdenken. Mir wurde als Europäer eigentlich nie persönlich etwas vorgeworfen oder negativ entgegen- gebracht, wohingegen die kolumbianischen und venezolanischen Flüchtlinge und Bewohner dieses Landes täglich mit Vorwürfen und Abweisung zu kämpfen haben. Ist das fair? Kann man daran überhaupt etwas ändern? Ist das nicht in Europa gerade irgendwie ähnlich?
Diversität mag im ersten Moment so schön und einfach klingen. Im zweiten und in den Momenten danach bringt sie jedoch auch viel negatives mit sich. Wie das Wort schon sagt, ist ein „Aufeinanderprallen“ unterschiedlicher sozialer und kultureller Gruppen (plus deren historischer Hintergründe), wohl selten etwas 100% friedliches und reibungsloses. Durch den andauernden Prozess der Globalisierung, als dessen Teil ich mich durch meinen Freiwilligendienst ebenfalls sehe, sind Pluralität und Diversität feste Bestandteile unserer Zukunft. Doch durch bessere Bildung, bessere Kommunikation und einen besseren Austausch aller, sehe ich dies definitiv nicht als etwas negatives. Da bin ich mir sicher. Jedoch bringt das vor allem eine große Verantwortung mit sich.
Auch wenn ich mit einigen ungeklärten Fragen in meinem Kopf zurück nach Deutschland gehen werden, so werde ich doch noch mehr Antworten, Ziele, Aussagen und vor allem ein größeres Verantwortungsbewusstsein mit nach Hause nehmen können.

 

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