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Leonie Oberle - 1. Bericht

Home is where your heart is“

 

ZU HAUSE – Was bedeutet das eigentlich? Für mich ist ein zu Hause ein Ort, der Sicherheit ausstrahlt, Geborgenheit, Sorglosigkeit. Dort wo ich mich wohlfühle, wo meine Familie ist, wo mein Bett steht, in das ich mich jede Nacht lege, da ist mein zu Hause. Seit drei Monaten lebe ich nun in meiner neuen, zweiten Heimat in Ibarra, Ecuador. Weit weg von Deutschland, meinen Verwandten und Freunden. Aber das ist das, was ich während meines 10-monatigen Freiwilligendiensts hier unter anderem erfahren will, auch wenn es etwas Eingewöhnungszeit bedarf; mich in einem neuen, ganz anderen zu Hause einzuleben. Und ich kann sagen, dass ich mittlerweile wirklich gänzlich hier angekommen bin. In Ecuador, in meiner Stadt Ibarra, in unserer kleinen WG, und auch in der Casa Familia in Los Ceibos, wo ich jeden Tag freudig von 12 Kindern und einer der drei Educadoras (Erzieherinnen) begrüßt werde. Genauso wie für mich, ist das Haus, in dem sie nun leben auch nicht ihr ursprüngliches zu Hause. Es ist viel mehr ein Zufluchtsort, ein Rettungsschiff, das versucht ist, ihnen so gut es geht, die Sicherheit, Geborgenheit und Sorglosigkeit eines zu Hauses zu schenken, die ihnen in der Vergangenheit verwehrt wurde. Die traumatisierenden Erlebnisse, die sie durchlebt haben, spiegeln sich in ihren Gedanken, Träumen und Narben wider. Es ist furchtbar, dass die zarte Haut im Gesicht des quietschfidelen, 4-jährigen Santiago solche hässlichen Spuren trägt. Warum mussten diese unschuldige Mädchen und Jungen schon so früh solche Ungerechtigkeit erfahren? Darauf weiß niemand eine Antwort. Aber die Fundación Cristo de la Calle und ihre Mitarbeiter wissen, wie sie zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft der Kinder beitragen können. In den drei Häusern, in denen sie leben, helfen Erzieherinnen, Psychologen und nicht zuletzt wir Freiwilligen dabei, ihnen ein möglichst erfülltes Leben zu schenken, das genauso unbeschwert ist, wie das all ihrer Schulkameraden. Ich bin froh, mit meiner Arbeit zu diesem Ziel beitragen zu können. Es sind kleine Dinge, die ich für sie tue, aber sie sind doch so wichtig. Ob ich die Kinder zur Schule bringe, ihnen Mittagessen koche, bei den Hausaufgaben helfe, sie zu Freizeitaktivitäten begleite, oder für sie da bin, wenn sie jemanden zum reden oder kuscheln brauchen. Im Grunde übernehmen wir Freiwilligen gemeinsam mit den Educadoras die Rolle der Eltern. Die Freude, die mir entgegengebracht wird, wenn wir zusammen lachen, ich ihnen mein Fahrrad leihe oder ich ihnen erfolgreich bei ihren Hausaufgaben geholfen habe, belohnt mich für die Anstrengung, die ich bei der Arbeit auch oft aufbringen muss. So manches Mal bin ich ziemlich erschöpft, wenn ich in der heißen Mittagssonne den 3-jährigen Esteban vom Kindergarten und dann seinen 7-jährigen Bruder Juan von der Schule abhole. Wann immer Esteban einfach nicht laufen will, sich demonstrativ auf den Boden setzt und permanent lauthals „No!“ schreit, wenn ich irgendwie versuche, ihn davon zu überzeugen, dass wir jetzt gehen müssen und er dann in der Schule von Juan auf die Toilette gehen will, aber eigentlich gar nicht muss, (wir versuchen ihn gerade von der Windel abzugewöhnen), wird meine Geduld schon ziemlich herausgefordert. Dann steige ich mit dem auch schon genervten Juan und dem schreienden Kleinkind auf dem Arm verschwitzt in den Bus und werde von den anderen Müttern, die mich umgeben etwas mitleidig angeschaut. Nein, das sind nicht meine Kinder, obwohl das hierzulande auch nichts Ungewöhnliches wäre. Auf jeden Fall bin ich froh, wenn ich mit den beiden dann endlich im Haus angekommen bin und beim Mittagessen einen Moment zum Durchatmen finde. Ja, die Arbeit mit so vielen Kindern ist natürlich auch ganz schön anstrengend, aber wie schon gesagt, man wird mit ihrem Lachen und ihrer Dankbarkeit dafür entschädigt. Diese pure Freude war besonders zu spüren, als letzte Woche in der Fundación eine Geburtstagsfeier für die Kinder veranstaltet wurde, die im Dezember, Januar oder Februar Geburtstag hatten. Alle waren fröhlich, tanzten und sangen ausgelassen und spielten Spiele. Niemand fühlte sich ausgeschlossen; die Kinder, Freiwilligen, Erzieherinnen und Sozialarbeiter formten eine große Einheit, eine Gemeinschaft. Es ist so einfach, diese kleinen Momente mit ganz viel Glück zu füllen, das wird mir hier in Ecuador immer wieder bewusst. Und in dieser Hinsicht nehme ich mir die Kinder gerne zum Vorbild. Denn durch diese einzigartige Atmosphäre wird Ecuador für mich, und die Fundación für die Kinder zum zu Hause. Home is where your heart is. Zu Hause muss also nicht immer da sein, wo man geboren wurde, wo man aufgewachsen ist und seine gewohnte Umgebung hat. Zu Hause kann da sein, wo man mit dem Herzen ist.

04.02.2018

 

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