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Fenja Graff - 1. Bericht

Farben und Klänge

Meine persönliche Songempfehlung während des Lesens meines Berichts:
La Bicileta von Carlos Vives und Shakira


Ecuador. Für mich momentan das Land der Musik, des Tanzes, der Lebensfreude.
Jeden morgen steige ich in den selben Bus ein.
Die Gesichter der Ticketverkäufer scheinen mir alle schon bekannt zu sein. Meine Mitfreiwilligen scheinen die Hektik, die uns umgibt mit Kopfhörern in den Ohren völlig auszublenden, mir zaubert sie ein Lächeln aufs Gesicht.
Die unbekannten Töne, die aus den riesigen Lautsprechern dröhnen, erreichen meine Ohren, wie die bunten Farben der Obsttiendas meine Augen erreichen. Mein Blick schweift, vorbei an den unzähligen Läden, der Fliesenleger steht wie immer vor seinem Laden und wartet auf die erste Kundschaft.
Die Arbeiter tummeln sich um den Kaffeestand an der nächsten Ecke, um den Empanadastand an der übernächsten Ecke hat sich schon eine Traube schwarzhaariger Menschen gebildet. Auch unzählige Streuner wurden von dem Essensduft angezogen.
Ein großer Mix aus Hektik, die mit Kaffee heruntergespült und schnell vergessen wird, wenn der Nachbar oder Arbeitskollege gerade zur selben Zeit seinen frühmorgendlichen Cafecito trinkt.
Die Großstadt erwacht farbenfroh, auf schläfrigen Füßen die gezwungen sind zum Bus zu rennen.
In diesem winzigkleinen Moment vergesse ich Raum und Zeit. Alle und alles um mich herum scheinen zu tanzen und sich im fröhlichen Takt der Musik zu bewegen.
Alles wirkt plötzlich sehr harmonisch, als wäre alles genau am richtigen Ort zur richtigen Zeit.
Der alte Mann mit langem schwarzen Pferdeschwanz und Lederhut, der zwei Reihen vor mir seine Zeitung liest; die alte Dame in bunter Kleidung, die noch genüsslich ihr pancito isst; und das junge Mädchen, das ihr kleines Kind im Tuch auf dem Rücken trägt, um in ihren Händen die Mandarinen halten zu können, die sie im Bus verkauft; Der junge Mann in Adidas Trainingsjacke läuft durch die Autoreihen und verkauft Kokosnusswasser, als die Bustüre geöffnet wird und Santi mit seiner Gitarre in den Bus springt und den Soundtrack für meinen Morgen liefert.
Und da ist sie wieder: Realität, Arbeit, Morgenmüdigkeit.
Für einen kurzen Moment, zwischen Bus und Arbeit, erblicke ich den Boden der Tatsachen, der durch ein einziges Lächeln wieder unter meinen Füßen weggezogen wird. Das Lächeln eines kleinen Jungen, der mir hiermit zu erkennen gibt, dass es ihm gut geht, dass er glücklich ist, der sich bedankt. Es folgen tausende Umarmungen, die mir ein Gefühl von zu Hause geben.
Und schon bin ich wieder umgeben von Musik und Tanz. Ein Lied für jede Situation: Zähneputzen, Mittagessen, Händewaschen, Spazierengehen, Malen, Kleben, Entspannen, Energie rauslassen, Ankommen, nach Hause gehen. Der Tag begleitet von Reggaeton, Bachata, Salsa und Merengue.
Wo immer ich hinkomme, begegnet mir Musik.
Wo immer ich hinkomme, da finde ich Lebensfreude und eine Gelassenheit, von der ich schon immer zu wissen schien, dass sie mir in meinem Leben noch gefehlt hat.
Die Menschen, die mich umgeben haben Träume, manche von ihnen scheinen ihre bereits zu leben. Ich befinde mich mitten unter ihnen und weiß nicht, was mein nächster Traum bringen soll. Ich bin glücklich in diesem einen Moment, doch die Ungewissheit verweilt in meinem Hinterkopf, wie ein kleiner Chihuahua der hin und wieder bellt und mich daran erinnert, dass mein Leben nicht für immer aus diesen perfekten Momenten besteht. Ich weiß, wenn mein nächster Traum sich an einem anderen Ort abspielen soll, muss dieser lang ersehnte Traum, den ich gerade lebe, irgendwann zu Ende gehen.
Die Zukunft wartet auf mich, doch meine Unbeschwertheit, von einem Tag zum nächsten zu leben, hält mich davon ab mir diese Zukunft auszumalen.
Ich spüre die Veränderung in mir selbst, lasse mich treiben, formen, von den Menschen die mich umgeben. Mir wird jeden Tag ein Spiegel vor das Gesicht gehalten und von mir erwartet, dass ich weiß, was ich darin sehe, doch das Spiegelbild scheint vor meinen Augen zu verschwimmen. Die Leute fragen mich all diese Sachen, doch die Antwort darauf fällt mir schwer, denn sie ändert sich von Tag zu Tag, von einer Sekunde zur nächsten.
Ich entscheide mich zu antworten, wie ich noch vor drei Monaten geantwortet hätte, auch wenn ich weiß, dass was ich sage wahrscheinlich schon bald nicht mehr der Wirklichkeit entspricht.
Ich werde inspiriert, mir werden neue Ideen in den Kopf gesetzt, neue Ansichten, neue Werte. Das alles hinterlässt Spuren, hilft mir herauszufinden wer ich bin und wer ich sein will.
Der Mix aus bunten Farben, die ich auf meiner Farbpalette erst noch mischen muss, die neuen Töne, die in meinen Ohren schon nach kurzer Zeit klingen wie ein klitzekleines Stück Heimat, die Menschen, die zu Familie werden und meine Gedanken:
Alles vermischt sich zu einem großen Gefühl des Glücks und der Dankbarkeit.

Quito, 25. November 2017

 

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