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Carolina Gaul - 1. Bericht

Der brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho sagte einmal : „Wenn du mutig genug bist, «Lebewohl» zu sagen, wird das Leben dich mit einem neuen «Hallo» belohnen.“

Vorerst einmal Lebewohl sagen – das war, was den 30.08.2016 meines Lebens prägte.

Und trotz der Tatsache, dass ich, zumindest auf dem Papier, schon seit einigen Monaten erwachsen bin, hat mir der Abschied von Zuhause doch mehr zu schaffen gemacht, als ich das zuvor geahnt hatte.

Gerade die ersten Tage habe ich stark gezweifelt. Werde ich dieses Jahr durchstehen? Werde ich mir hier jemals zu Hause fühlen?
Quito hat mich erdrückt. Die Abgase, die Anonymität in dieser Metropole, die Schwierigkeit mich zu orientieren und nicht zuletzt die schlechte Stimmung in meiner Wohnung.

Ich finde es schade, wie leicht es für meine Mitbewohnerinnen war, sich das Land Ecuador, die Ecuadorianer und auch den Freiwilligendienst derart schlecht zu reden, sodass sie nach sehr kurzer Zeit aufgegeben haben.


Was ich für mich daraus mitgenommen habe: „ Just because it burns doesn’t mean you’re gonna die, you’ve gotta get up and try !“
(Pink)
Ich hatte das Glück, dass ich von Zuhause aus, aber auch vor allem von den anderen Freiwilligen in Ibarra täglich mit positiver Energie beladen wurde und dadurch stark geblieben bin, mich nicht habe runterziehen lassen. Und manchmal muss man nun einmal Hürden überwinden, um gestärkt weiterzugehen, weiterzustreben und erkennen zu können, wie schön alles, was sich hinter der Hürde verbirgt, sein kann.
Trotzdem kann auch ich sagen, dass mir das Projekt in Quito – in der kurzen Zeit, in der ich da war – sehr nahe gegangen ist und dass die Arbeit mit Schwerbehinderten für mich um einiges schwieriger war, als ich das zuvor gedacht hatte.

Mit dem Entschluss meiner beiden Mitfreiwilligen, das Land zu verlassen und diese einzigartige Möglichkeit nicht weiterhin wahrzunehmen, war es für mich erneut an der Zeit, Lebewohl zu sagen, da ich die Möglichkeit bekam, meinen Freiwilligendienst in dem Partnerprojekt in Ibarra fortzusetzen. Der Abschied von Quito fiel mir alles andere als schwer. Und nach einer dreistündigen Busfahrt kam ich dann in Ibarra an.

Gleich mit dem Betritt der Wohnung und dem Aufeinandertreffen der Freiwilligen hier, hatte ich das erste Mal das Gefühl, mit einem neuen „Hallo“ belohnt zu werden.

Auch die Integration auf meinem Arbeitsplatz, dem „casa familia Yuyucocha 1“ in dem gleichnamigen Freizeitpark, fiel mir viel leichter als in Quito.
Nicht nur die Tatsache, dass man direkt etwas von den Kindern zurückbekommt, sondern auch die Möglichkeiten, die man in der Arbeit mit den Kindern hat, erleichtern das schnelle An- und Reinkommen extrem.

Neben täglichen Routinearbeiten wie der Begleitung der Schulwege, das Vorbereiten des Mittagessens, jeglichen Hausarbeiten und der Hausaufgabenbetreuung der Kinder ist es mittlerweile auch Teil meiner Freiwilligenarbeit, selbst Initiative zu ergreifen und so das Leben und den Alltag der Kinder zu gestalten. Zusammen mit den beiden italienischen Freiwilligen, die in meinem Haus arbeiten, realisieren wir verschiedene Aktivitäten. Diese reichen von einem Recyclingprojekt über Tanzeinheiten bis hin zu der eigenen Herstellung von Armbändern oder Schlüsselanhängern. Auch auf Kinder mit speziellen Bedürfnissen gehen wir auf besonderem Wege ein. So bemühen wir uns, ganz gezielt die Autonomie der 18- jährigen Estela zu verbessern, die aufgrund ihrer Behinderung auf viel Hilfe im Alltag angewiesen ist. Außerdem beschäftigen wir uns intensiv mit dem 4-jährigen José, der sehr undeutlich spricht und einige motorische Probleme hat. Zweimal in der Woche nimmt sich einer der Freiwilligen eine halbe Stunde Zeit, um mit José Aussprachübungen zu machen, ihm beizubringen sich anzuziehen oder mit dem Löffel zu essen. Zusätzlich bringe ich zwei Kindern im anliegenden Schwimmbad das Schwimmen bei.

Diese Entfaltungsmöglichkeiten, die mir dieses Projekt bietet, erfüllen mich von Tag zu Tag. Es tut so gut, ein einfaches Lächeln, ein Dankeschön oder eine Umarmung von den Kindern zu bekommen und schon vergisst man, wie anstrengend diese Arbeit auch manchmal sein kann beziehungsweise jeden Tag ist. Natürlich gerät nie in Vergessenheit, was die Kinder schon alles durchgemacht haben, wodurch natürlich auch ihr tägliches Verhalten extrem geprägt ist. Ich bin sehr froh auch von der Seite der Educadoras Anerkennung zu erfahren und zu wissen, dass ich eine große Unterstützung bin. Und wenn ich abends nach 8 Stunden Arbeit ein bisschen geschwächt den Park verlasse, dann steigt mein Respekt gegenüber den Educadoras umso mehr, da sie nämlich in 24 Stunden Schichten arbeiten. Dies ohne einmal krank zu sein, sich zu beschweren oder gar die Nerven zu verlieren.

Neben der Arbeit gibt es auch andere Gründe, warum ich Ibarra mittlerweile mein Zuhause nennen kann. Durch die Partizipation an einem Salsakurs, Aushängen an den hiesigen Universitäten oder auch einfach durch nette Zufälle haben meine Mitfreiwilligen und ich uns hier einen Freundeskreis aufgebaut. Dieser verankert mich hier noch mal besonders. Es ist ein so schönes Gefühl, mit Einheimischen dieses Land erleben zu können und genauso ist es einfach schön zu wissen, auf wen wir zurückkommen können, wenn wir mal ein Problem haben.

Diese Art von Heimatgefühl wird mir auch immer ganz besonders deutlich, wenn wir nach einer unserer vielen Wochenendreisen zurück nach Ibarra kommen und ein richtiges Wohlsein auftritt. Und Aprospós Reisen: Eine Aktivität, die für mich hier in ganz besonderer Art und Weise Lebensgefühl verkörpert. Die Vielfalt und Schönheit dieses Landes zu entdecken ist einfach unglaublich. Und mit einem Freund eines Freundes seine Heimatstadt zu erkunden, in indigenen Gemeinden zu schlafen oder spontan mit dem Bus an einen Ort zu fahren, von dem man zuvor nichts gehört hat, der einem aber auf der Busfahrt empfohlen wurde- das ist Reisen. Nicht das Hotel, nicht der Pauschalurlaub.

Insgesamt hat sich mein Leben nach diesen drei Monaten stark verändert. Noch zuvor war ich in der Schule, ein jeder Tag war für mich vorbestimmt, von externer Hand geplant. Ich lebte in der Zukunft. War ständig beschäftigt mit dem was ich noch zu tun habe, mit dem was ich noch nicht erledigt habe.
Hier habe ich jegliches Gefühl für Zeit verloren. Ich wache jeden Morgen auf und weiß nicht, was der Tag bringen wird. Ich schaffe es, endlich den Moment zu genießen, frei von irgendwelchem Druck. Ich selbst bin der Herr meiner Dinge. Diese Tatsache löst bei mir ein anhaltendes Glücksgefühl aus und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Möglichkeit des Freiwilligendienstes habe. Ich habe gelernt, aus harten Zeiten stärker zu werden. Und jetzt nach drei Monaten- da kann ich mit Gewissheit sagen- Ich wurde mit einem neuen „Hallo“ belohnt.