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Ines Ritgen - 4. Bericht

26. Juli 2016

Nun sitze ich mit meiner Freundin am Strand von Puerto Lopez und genieße Milchshake, Sonne und den warmen Sand. Der Strand ist sehr leer, denn der Wind weht etwas und der Himmel ist bewölkt. Aber trotzdem ist es angenehm warm und es läuft gute Musik im Hintergrund. Es ist so schön, hier zu sitzen und einfach die Zeit zu genießen. Aber momentan schwankt es sehr bei mir mit den Gefühlen. Mal genieße ich es hier total und will definitiv nicht weg – nicht aus diesem wunderschönen und vielfältigen Land und noch weniger aus der Fundación. Und in anderen Momenten sehne ich mich auch schon wieder danach, meine Familie und auch meinen Freund wiederzusehen und sie zu umarmen. Doch ich möchte nicht all das hier dafür zurücklassen. Meine ecuadorianische Familie (die Fundación), meine Freunde, die vielen Reisen, Erlebnisse. Doch andererseits nehme ich auch viel mit. Außer den Souvenirs vom Reisen. Denn die Erinnerungen an die zahlreichen Erlebnisse bleiben. Die Erfahrungen, gute sowie schlechte, bleiben mir und auch die vielen Dinge, die ich gelernt habe, bleiben mir. Es ist so viel, was ich mitnehme im Herzen. Und so viel, was ich zurücklasse.
Doch es war von vornerein klar, dass es für ein Jahr ist und das dieses Jahr irgendwann zu Ende geht. Doch das es so schnell geht war etwas unerwartet. Doch wenn ich auch daran denke, wie viel wir in diesen 12 Monaten erlebt haben. Das ist schon eine ganze Menge. Wir haben so viele Orte zusammen gesehen, haben so viel zusammen unternommen, hatten so viele gemeinsame witzige Stunden in der Fundación und haben so viel zusammen gelacht.
Das ganze Jahr war einfach ein Highlight. Durch all die fröhlichen und schweren Stunden durch, an den unterschiedlichsten Tagen mit teilweise sehr anstrengenden Stunden und den teilweise sehr leichten und entspannten. Insgesamt war von allem etwas dabei. Und genau das hat das Jahr so spannend und einzigartig gemacht.

31. Juli 2016

Ich weiß grade echt nicht, was mit mir los ist. Ich war heute total gut drauf und eben ist meine Laune vom einen Moment zum anderen total runter gegangen. Und das nur wegen ein paar Kleinigkeiten. Ich habe mich ans Fenster gestellt und auf Quito bei Nacht mit all den Lichtern geschaut. Ich möchte hier nicht weg. Ich liebe dieses Land, ich liebe die Leute hier. Ich möchte hier definitiv nicht mehr weg. Und gleichzeitig weiß ich, dass mein Freund mich nach acht langen Monaten sehnlichst erwartet und meine Familie sich auch schon auf das große Wiedersehen freut. Ich weiß, dass ich mein Wunschstudium nach meiner Rückkehr anfangen werde und das ich in einer schönen Stadt wohnen kann.
Natürlich freue ich mich, zurückzukommen! Es wartet schließlich so viel Neues und Tolles auf mich!
Dennoch will ich meiner ecuadorianischen Familie nicht „chao“ sagen. Denn sie sind wirklich wie eine Familie für mich. Und die eigene Familie zu verabschieden ist nicht leicht.
Aber mir bleibt wohl nichts anderes übrig. Denn das Jahr ist vorbei und es ist an der Zeit, wieder nach Europa zu fliegen. Das war die Abmachung. Und ich bin so froh, so dankbar für alles, was ich hier erleben durfte.

3. August 2016

Nun ist der Tag nah, an dem das zu Ende geht, was mein größter Wunsch für so viele Jahre war. Heute ist die letzte Nacht hier in Ecuador und dann hab ich zwei Nächte im Flugzeug, bevor ich wieder in meinem eigenen Bett schlafe. Mittlerweile habe ich mich, glaub ich, ganz gut damit abgefunden, Ecuador zu verlassen. Auch wenn ich einiges sehr vermissen werde. Nur zwei Dinge kommen mir noch total irreal vor: Erstens, dass ich bald statt zur Fundación zu gehen studieren werde. Und zweitens, dass ich bald all die Leute hier aus Ecuador nicht mehr sehe, aber dafür so viele andere.
Europa und mein früheres Leben sind mir wirklich fremd geworden.

5. August 2016

Nun sitze ich in Houston und kann es immer noch nicht glauben, dass mein FSJ nun vorbei ist und ich wieder nach Deutschland fliege. Das werde ich wahrscheinlich erst nach und nach verstehen. Und es ist auch komisch, diese Stimme im Kopf zu hören, die immer wieder sagt, dass meine Arbeit in der Fundación vorbei ist und ich nun studieren werde. Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich am Montag (es ist jetzt Freitagmorgens um kurz nach sieben) wieder in die Arbeit gehe und alle wiedersehe. Stattdessen werde ich Oma und Opa am Dienstag endlich wiedersehen. Das freut mich zwar auch superdolle, aber es fühlt sich komisch an. Und meinen Freund morgen schon wiedersehen zu können, ist auch noch nicht ganz in meinem Kopf angekommen. Es ist so lange hin gewesen, bis wir uns wiedersehen und jetzt kann ich plötzlich schon sagen, dass es morgen sein wird. Dabei waren es noch vor gefühlt einer guten Woche drei Monate bis zum Wiedersehen. Und dieses Jahr ging einfach so schnell rum. Kaum zu glauben, dass es ein ganzes Jahr war. Ein Jahr in der Fundación. Ein Jahr in Ecuador. Ein Jahr mit Katia und Laura. Und jetzt sitze ich schon wieder am Flughafen in Houston und warte auf den Rückflug. Und es laufen hier so viele Menschen herum, aber keiner sieht ecuadorianisch aus. Alle aus den USA oder Europa, so scheint es. Langsam kommt es mir wieder in den Sinn, wie zum Beispiel die Menschen gekleidet sind, was es so für typische Gewohnheiten gibt.
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich da wieder reinpasse. Denn ich habe mich definitiv sehr verändert. Mal sehen, wie es wird.
Auf das Studium freue ich mich natürlich trotz allem. Besonders, weil ich weiß, dass ich damit später einen Job bekommen kann, der mir Spaß macht und in dem ich gut bin. Kein Mathe oder Physik. Sondern mit Kindern arbeiten.

Habe grade mal noch etwas Schlaf nachgeholt. Das tat echt gut. Auch wenn mir wie immer die Haare im Gesicht gekitzelt haben.
Was die Menschen betrifft ist mir noch etwas aufgefallen: Die sind alle auf einmal wieder so groß und es gibt auch einige sehr, sehr dicke hier. Dafür aber auch wieder mehr dünne. Vor allem die Figuren der Frauen unterscheiden sich sehr von dem gewohnten in Ecuador. Dort haben die Frauen, wie ich finde, schöne nicht zu dünne und nicht zu dicke Figuren. Es geht nicht so ins Extreme wie ich es hier in Houston sehe.

Das letzte Jahr über habe ich immer wieder versucht, die Zeit so gut wie möglich zu nutzen und so viel zu reisen, wie es geht. Das wird jetzt wahrscheinlich anders. Ich werde nicht mehr so viel reisen könne, dafür aber mehr Zeit fürs Studium brauchen und mehr Zeit mit meiner Familie und meinem Freund haben.

Ich sitze immer noch in Houston und warte darauf, dass ich zum Gate gehen kann, um in den Flieger zu steigen. Mittlerweile ist es schon 2 Uhr nachmittags und so in 40 Minuten kann ich dann endlich zum Gate gehen und dann ist bald Boarding. Der Flieger geht allerdings erst kurz vor vier Uhr los. Aber die Wartezeit ist ja nun fast vorbei und es war definitiv gut, dass ich wenigstens bis jetzt noch Irene dabei hatte. Dann war es nicht so langweilig, sondern wir konnten auch mal quatschen und mussten nicht den ganzen Tag alleine am Flughafen sitzen.
Mittlerweile bin ich nicht mehr traurig. Denn ich freue mich schon, endlich mal ein Ziel zu erreichen und anzukommen. Aber wieder in Deutschland bzw. Belgien zu sein wird auch echt eigenartig. Den Kulturschock merke ich ja jetzt schon. Ich hoffe, dass dann am Samstag mit dem Abholen und nach Hause fahren alles glatt läuft und ich dann auch mal ein bisschen Ruhe und Zeit für mich habe. Und am Dienstag sehe ich dann ja auch schon Oma, Opa und meine kleine Schwester wieder! Da freu ich mich total drauf. Und meinen Bruder sehe ich schon in Belgien wieder <3 Das ist für mich so unvorstellbar, dass ich morgen Nachmittag schon wieder in Belgien bin…

Nun bin ich im Flugzeug nach Frankfurt und in ca. fünf Stunden sind wir schon da. Ich habe mir grade den Film „Benjamin Button“ angeschaut und fand ein Zitat ziemlich passend auf meine Situation:
„Kennst du das Gefühl, wenn du nach Hause kommst und alles ist gleich. Es riecht gleich und es sieht gleich aus. Aber irgendetwas ist anders. Und du merkst, du hast dich verändert.“
Auch ich habe mich verändert durch meine Zeit in Ecuador: Ich habe gelernt, nochmal ein Stück weit selbstständiger zu sein, glücklicher und dankbarer zu sein, ich habe etwas mehr Sinn in meinem Leben gefunden, habe viele neue Menschen in mein Herz geschlossen und vor allem habe ich mich selbst besser kennengelernt.
Mir geht grade durch den Kopf, wie Juan war. (Er ist eins unserer Kinder gewesen. Und grade zu ihm hatte ich eine sehr enge Beziehung und wir haben sehr viel Zeit auch in der gleichen Gruppe verbracht.) Wie er sich immer gefreut hat, in der Sonne zu sitzen und einfach ihre Wärme zu genießen. Wie er in meinen Armen gestorben ist. Wie er an seinem letzten Tag eine ganze Zeit lang einfach nur mit Carolina draußen in der Sonne saß und glücklich aussah. Wie oft ich ihn morgens gesucht habe, weil er auf dem Weg in den Klassenraum es vorgezogen hat, sich an einen ruhigen Ort in die Sonne zu setzen. Wie er sich noch eine zusätzliche Banane geschnappt hat, wenn keiner es bemerkt hat. Wie er ganz fleißig immer wieder die Treppen hoch und runter gestiegen ist. Wie er immer mit Jefferson morgens Hand in Hand aus dem Bus zum Raum gelaufen ist und nachmittags wieder zum Bus. Wie sehr die beiden aneinander hingen und sich gegenseitig unterstützt haben.

In anderthalb Stunden sind wir in Frankfurt. Ich freu mich schon richtig darauf, endlich anzukommen und meinem Freund und meinen Eltern in die Arme zu laufen. Und meine Traurigkeit von eben ist schon wieder besser geworden. Aber ich versuche jetzt auch erstmal mich auf meine Ankunft zu konzentrieren und mich zu freuen. Ist nicht so leicht, aber ich schaffe das schon irgendwie. Ich weiß auf jeden Fall, dass ich sobald wie möglich wieder nach Ecuador möchte, um dort alle zu besuchen und wiederzusehen.
Allerdings muss ich nun auch ganz ehrlich zugeben, dass ich mich auch auf mein Zuhause in Belgien freue. Zum Glück. Denn die ganze Zeit war da mehr Sehnsucht nach Ecuador als nach allem anderen. Wie eigenartig, dass mein Abschied in der Fundación grade erstmal anderthalb Tage her ist. Es kommt mir viel länger vor. Meine Kinder… die vermisse ich ganz besonders. Jede(r) auf seine Art besonders und einzigartig. Und eine wichtige Person in meinem Leben. Aber ich hab ja wenigstens ganz viele Fotos und Videos als Erinnerungen.

Jetzt bin ich grade angekommen und warte auf meinen großen Koffer. Ich bin wirklich in Deutschland … die Berge fehlen!

11. September 2016

Nun bin ich etwas mehr als einen Monat schon wieder in Europa und es ist einiges passiert: Es gab das große Wiedersehen und ein paar Tage später haben wir meinen Bruder zum FSJ verabschiedet. Wir sind alle zusammen nach einigen tollen Jahren von Belgien wieder nach Deutschland gezogen und kurz darauf bin ich in meine Studentenwohnung gezogen. Ich habe ständig an anderen Orten geschlafen und hoffe nun nach einigen Besuchen, spontanen Ausflügen und Arztbesuchen endlich mal wieder etwas Ruhe zu bekommen. So häufig denke ich an mein letztes Jahr zurück und träume mich nach Ecuador in die Fundación. Stelle mir vor, wie es dort jetzt ist und was sie unternehmen.
Ich hoffe, dass ich wirklich ganz bald wieder in dieses faszinierende Land mit seinen herzlichen Bewohnern zurückkehren kann. <3

 

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