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Nicolas Geffroy - 1.Bericht

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Als ich vor 4 Monaten in den Wohnzimmern diverser Freunde saß, wurde ich belehrt, wie gefährlich es doch in Ecuador sei, wie ich an jeder Straßenecke aufpassen müsste. Wenn man aus Deutschland nach Ecuador für ein Jahr verschwindet, hat man den Eindruck, dass man nur mit einer Unterhose und keinem anderen Hab und Gut zurück kommen wird.
Ich musste mir Sätze, wie “Versteck deine Wertsachen in deinem Zimmer und schließ deine Zimmertür ab, wenn du nicht zuhause bist!”, “hol dein Smartphone nie im Bus raus” oder noch “trampe bloß nicht bei anderen Leuten im Auto mit, das ist viel zu gefährlich!” anhören.

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Das Bild Ecuadors, welches sich langsam in meinem Kopf aufgebaut hat, war eins eines unfriedlichen Landes, wo Raub, Mord und andere Gefahren an jeder Ecke drohen. Man hat den Eindruck, dass man selbst in der ecuadorianischen Gesellschaft nur als reicher Mensch da steht, welchem man Geld und Gegenstände abluchsen muss. Egal ob legal, durch hohe Preise für ein Produkt auf dem Markt, oder illegal, durch einen Überfall.

Ich bin nun rund 3 Monate in Ecuador, es ist Zeit für den ersten Bericht: Wie habe ich das Land bisher wahrgenommen? Wie habe ich die Stimmung bis jetzt empfunden?
Wenn ich jetzt an diesem schönen Abend von meiner Terrasse auf das durch Straßenlichter und Zimmerlampen erleuchtete Quito schaue, empfinde ich gar keine Angst, ich empfinde Ruhe, Gelassenheit und Frieden. Komisch, ich dachte ich könnte mich gar nicht nachts an die frische Luft trauen, ohne zu riskieren von Quiteno-Gangstern eine Kugel in die Brust geschossen zu bekommen. Und auch ein kleiner Nachtspaziergang scheint in unserer Gegend kein Problem zu sein, habe ich ja auch schon ein paar mal gemacht.
Zugegeben, ich schließe mein Zimmer immer noch ab, wenn ich das Haus verlasse, doch jetzt wo ich ein bisschen mehr darüber nachdenke kommt mir das ziemlich absurd vor: in meinem schönen Charlottenburg habe ich das doch auch nicht gemacht? Finden nicht gerade in diesem so sicheren und so ruhigen Stadtteil Berlins, genau wie in anderen Teilen, mehr als 650 Einbrüche pro Jahr statt? Und was würde es bei einem Einbruch überhaupt helfen, wenn meine unstabile, leicht brechbare Zimmertür abgeschlossen wäre?

 

Mit dem Blick Richtung Quitos Innenstadt, denke ich an unsere erste Woche hier zurück. Für administrative Angelegenheiten mussten wir Freiwillige in den neuen Teil dieser gehen. Es gibt hier viele Hochhäuser, davon viele Büros, das bedeutet Stress ohne Ende. Die Straßen sind voller Menschen und die Rußabgase der Fahrzeuge geben der Luft einen unangenehmen Geschmack.
Doch eines ist mir aufgefallen: ich verspüre viel weniger Agressivität von den Menschen ausgehen, als oft in Deutschland. Wenn man mit dem Bus während der Rushhour durch die volle Innenstadt fahren muss, fährt man für einen Straßenabschnitt, für den man normalerweise 5 Minuten braucht, aufeinmal 40. Als ich nun einmal in einem solchen Bus saß, war ich furchtbar genervt, unruhig und aggressiv. Ich habe um mich umgeschaut, aber habe niemanden erkennen können, der in einem solchen Zustand gewesen wäre. Keine Seufzer, keine genervten wild umher schauenden Gesichter, alle standen oder saßen friedlich im Bus, lasen oder sprachen mit ihrem Nachbarn. Wenn man das vergleicht mit der 5-Personen-Schlange im deutschen Supermarkt, kann man nur lächeln: Wie oft hört man da jemanden kläffen: “Eine zweite Kasse bitte!”. Wie oft wird man angerempelt und hört den anderen grunzen:” ‘schuldigung”? Und was für eine Aggressivität geht von vielen Fahrgästen in der berliner U-Bahn aus? Wie oft reicht schon ein falscher Blick, um angemotzt zu werden?
Im Centro Historico, die Altstadt und das Touristenzentrum Quitos, hat mich das ruhige Ambiente noch mehr geprägt. Ich finde es gibt hier viel weniger Touristen, die die Stadt besichtigen, als in großen touristischen Städten in Europa. Das Centro Historico ist geprägt von Ruhe, Gelassenheit und dem alltäglichem Leben der ecuadorianischen Bewohner. Dies traf auch auf die großen Touristenattraktionen, die ich bisher in Ecuador besucht habe, zu.
Ein Beispiel ist Mompiche, ein ehemaliges Fischerdorf, welches inzwischen zu einem wichtigen Anlaufspunkt für Backpacker und Leuten aus ganz Ecuador geworden ist. Die Wege durch den Ort bestehen aus Sand und die Hostels, in denen man schläft sind aus Palmenholz gebaut und sind mit deren Blätter bedeckt. Wenn die Nacht sich über das Dorf legt, entsteht eine Atmosphäre, geprägt von großen Gruppen, die bei Kerzenlicht und Bier intensive Gespräche führen oder auf einer Gitarre ein bisschen Musik spielen. Ich habe eine solche Atmosphäre bisher noch nie an einem so touristischem Ort erlebt: Die Touristen, die hier absteigen sind nicht die gestressten 2-Wochen-Touristen, die mit ihrer Spiegelreflexkamera so viel Lebenserfahrung wie möglich in möglichst kurzer Zeit festhalten müssen. Die Touristen hier, so habe ich das empfunden, genießen wirklich ihre Erfahrung im hier und jetzt. Dies hat mich unglaublich geprägt und ich denke, dass dieser erste Ausflug meine Sicht auf Tourismus drastisch geändert hat.

Ich hatte letztens eine Konversation mit einem Mitarbeiter aus der Fundacion und hab ihm meine Sicht der Dinge zu der friedlichen Mentalität in Ecuador geschildert. Er hat mir erklärt, dass dies nicht immer so war: Bis vor kurzem wurden Taxen und Busse regelmäßig überfallen, genau wie viele Menschen in der Straße. Dies war gekoppelt an eine extreme politische und ökonomische Instabilität. Seit Rafael Correa Präsident geworden ist, hat sich da einiges geändert: Es wurden viele Arbeitplätze geschaffen, in Bildung und Infrastruktur investiert und die Sicherheit im Land wurde drastisch angehoben.
Der Kollege hat mir erklärt, dass die Ecuadorianer diese Veränderung unglaublich zu schätzen wissen, viel Wert auf diesen Frieden legen und sich anstrengen diesen beizubehalten. Nach drei Monaten in Ecuador, ohne wirklich in der Gesellschaft angekommen zu sein, traue ich mich noch nicht über diese Erklärung eine Wertung abzugeben. Was fest zu halten ist, ist, dass anscheinend wirklich eine starke Verbundenheit zu Frieden und Ruhe in der Bevölkerung besteht. Wir haben das auch festgestellt als wir über das Thema Trampen geredet haben:

Auf meinen diversen Reisen in Ecuador bin ich schon öfters getrampt und muss feststellen
,dass man hier öfter mitgenommen wird als in Deutschland. Es ist bisher selten vorgekommen, dass mehr als 3 Autos vorbeigefahren sind ohne mich mitzunehmen. Wie kann man das deuten? Wie erklärt man das?
Jedes mal als ich mitgenommen wurde, hatte ich den Eindruck als ob sich die Frage “soll ich den mitnehmen?” gar nicht gestellt hätte. Ich interpretiere diese Haltung so, dass man sich untereinander hilft ohne sich die Frage der Gefahr, der Angst vor dem Gegenüberstehenden, zu stellen. Für mich ist das ein Beweis für einen friedlichen Zustand in der Bevölkerung, da man anscheinend seinem Mitbürger traut.
Auch dies lässt mich die Stimmung hier als friedlich, und vorallem unbeschwert empfinden. Auf meinen Reisen hat noch ein anderer Aspekt oft zu diesem Bild von Ecuador beigetragen: Die Natur und die Landschaften. Ein Beispiel für diese Erfahrungen ist der Ausflug nach Palo Quemado mit Valentin, einem der vier Freiwilligen aus Ibarra. Palo Quemado ist ein Dorf ungefähr 1,5 Stunden westlich von Quito. Man wird von einem Bus im Dorf Union de la Toachi raus gelassen, von wo man mit einem Auto einen steinigen Pfad 45 Minuten lang entlang fahren muss. Auch hier wurden wir vom ersten Laster mitgenommen: Ein Familienvater mit Frau und Kind, der uns später bei sich schlafen lassen hat, uns am nächsten Morgen mit zum Kühe melken genommen hat und mit uns zu seinen Auslieferungen (Gas und Mais) und Abholungen (Milch von anderen Bauern zum pasteurisieren bringen) mitgenommen hat.
Während der verschiedenen Aktivitäten sind wir, wie es generell in Ecuador ist, wenn man ein bisschen mit dem Bus fährt, durch die verschiedensten Landschaften gefahren. Jede, auf ihre eigene Weise, hat auf mich sehr ruhig und friedlich gewirkt.
Im verschlafenen Dorf Union Del Toachi war fast kein Mensch auf den Straßen, nur auf einer Bank saßen ein paar Leute und haben auf den Bus gewartet. Links und rechts zogen sich zwei Bergkämme am Dorf vorbei, an einem Fluss und der Straße Richtung Palo Quemado entlang. Die Bergkämme waren dicht mit Bäumen bewachsen und ab und zu floss eine mehr oder weniger große Kaskade den Berg herunter.

Mit der steigenden Höhe wurden auch die Bäume weniger und an der Straßenseite wurden immer öfters Felder oder freie Flächen mit Kühen sichtbar. Kleine Häuser, oder auch nur Hütten, alle 200 Meter dienten als Wohnort für die Bewohner der Gegend. Es ist eben auf einer dieser Flächen, wo Valentin und ich beim Kühe melken um 5 Uhr morgens zugucken durften. Dahinter erstreckte sich ein Tal, welches langsam vom Sonnenaufgang erleuchtet wurde und nach und nach wurden verschiedene Bergkämme erkennbar, zwischen denen große weiße Wolken hangen. Das Dorf Palo Quemado, welches wir am vorabend erreicht haben, lag noch etwas höher. Es herrschte Regen und Blitz als wir ankamen, trotzdem war es warm: Die Bewohner saßen vor ihren Häusern auf der Straße unter den Vorsprüngen die ihre Balkone formten, grillten oder quatschten mit ihrem Nachbarn. Zugegeben der Hahnenkampf, der in einer kleinen Arena links von uns stattfand, war nicht gerade das Sinnbild für Frieden, aber für mich verstärkte es paradoxerweise die tiefenentspannte Stimmung im Dorf.

Die letzte Etappe unseres Ausflugs bestand in einer Rundfahrt in dem Bereich etwas höher als Palo Quemado. Während Bolivar, der Mann, der uns bei sich aufgenommen hatte, die Milch von den anderen Bauern abholte, kamen wir in den Genuss eines, nicht sehr tiefen, Tales. Verstreut standen Häuser herum und Felder prägten die Landschaft. Die Vegetation war unglaublich vielfältig und das starke Sonnenlicht wurde in einem kleinem Bach gebrochen. Wenn ich mir ein Paradies ausdenken müsste, würde ich auf jeden Fall ein paar Aspekte aus dieser Landschaft übernehmen.

Nach all diesen Lobliedern, muss ich trotzdem festhalten, dass ich mir eines bewusst bin: Der Blick den ich von unserer Terrasse genieße, ist der auf die ruhigen Viertel im wohlhabenderen Norden von Quito. Genau wie die häufigen Erdbeben, die diese wunderschöne Natur erschüttern, gibt es in dieser Stadt, besonders, wenn man Richtung Süden fährt, viele Gefahren, die lauern. Ich hab schon von mehreren Leuten gehört, die von bewaffneten Räubern überfallen wurden und gerade erst vor 2 Wochen hat ein Backpacker, der bei uns übernachtet hat, in einem Club was ins Getränk gemischt bekommen und wurde ausgeraubt.
Und auch, dass man ab 2 Uhr nachts bei roten Ampeln nicht mehr hält, zeugt nicht gerade von einem großen Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung, genau wie die Gated Cities, die man hier ziemlich oft sieht. Ob das noch Strukturen aus alten Zeiten sind oder berechtigte Reflexe auf eine präkere Situation kann ich auch nicht beurteilen, dazu bin ich noch nicht lang genug da. Was zu dem Thema Frieden auch noch erwähnt werden muss, sind die Proteste, die langsam gegen das noch breit respektierte Staatsoberhaupt Rafael Correa aufkommen. Wenn man sieht wie die Regierung auf diese reagiert, nämlich mit Polizeigewalt und Zensierung, kann man nicht gerade von einer friedlichen Stimmung reden. Von diesen Protesten, kriegt man aber eher über ausländische Presse, als hier vor Ort, mit. Es kann sein, dass ich nur das sehe, was ich sehen will, aber trotzdem prägt sich das Bild Ecuadors, welche ich weiter oben beschreibe, mit jedem Tag mehr ein. Und ich muss schon ein bisschen über das Bild Ecuadors in Deutschland schmunzeln, wenn mir der Eisverkäufer hinterher rennt, um mir 20 cent zurückzugeben, die ich zu viel gezahlt habe.

 

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