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Jessica Frommer - 1. Bericht

Erste Monate in Ecuador

Seit drei Monaten bin ich nun schon in Ecuador! Dass in dieser Zeit unglaublich viel passiert ist lässt sich wohl vermuten. Daher kann ich im Folgenden leider nur einen kleinen Eindruck vermitteln, versuche aber einen Einblick in die verschiedensten Gebiete zu verschaffen: Zuallererst möchte ich über meine Arbeit in der Fundación Cristo de la Calle berichten, da dies eindeutig meine Hauptbeschäftigung hier ist (was sich bei einer 40-Stunden Woche nicht anders erwarten lässt) : Die Fundación ist im Prinzip auf drei Säulen aufgebaut, welche jedoch stark miteinander zusammenhängen, der familia apoyo – Familienhilfe- , den casas familias – kleinen Waisenhäusern- und den niños libres – „freie Kinder“. Bei der Familienhilfe geht es darum die 'Problemfamilien' mit regelmäßigen Besuchen und Aktivitäten im Alltag zu unterstützen um sie so zu eigenständigen glücklichen Familien zu machen, während in den casas familias diejenigen Kinder leben, die ihren Familien aus verschiedensten Gründen (z.B. Inhaftierung oder Alkoholabhängigkeit der Eltern) entzogen wurden und nun in diesen kleinen Waisenhäusern leben und betreut werden. In jedem Haus arbeiten 2 Erzieherinnen, die tias oder eduadoras, die sich jeweils in 24-Stunden-Schichten abwechseln und die Kinder somit rund um die Uhr betreuen. Die letzte Säule spezialisiert sich auf die Kinder, die wieder in ihre Familie zurückkehren durften oder adoptiert wurden, sodass diese Wiedereingliederung in die Familie für alle Parteien gut verläuft, sowie psychologisch betreut wird.

Ich arbeite gemeinsam mit Valentin in einer der drei casas familias, namens Yuyucocha 2, da sie im gleichnamigen Park liegt. Dort lebten bis vor Kurzem noch 11 Kinder im Alter von 2 bis 17 Jahren, doch zwei Kinder konnten bereits wieder zu ihren Müttern und zwei weitere wurden adoptiert, sodass in meiner casa jetzt 'nur noch' 7 Kinder sind.
Meine täglichen Aufgaben sind denen der anderen Freiwilligen sehr natürlich sehr verwandt, trotzdem schildere ich hier grob meinen Tagesablauf: Morgens geht es mit 3 Kindern (bis vor einer Woche noch 4) zur nahegelegenen Schule, zu der wir jedoch meist fast 45 Minuten laufen, da auf dem Schulweg jeder Regenwurm, Stift oder Stock, jede Flasche, Verpackung oder Tüte und jedes Papier oder 'Spielzeug' ( auf dem Boden liegt sämtlicher Müll verstreut, vor allem durch die Nahrungssuche der unzähligen Straßenhunde!), wichtiger ist als der eigentliche Weg. Deshalb ist 'Vamos!', zu Deutsch etwa 'Lasst uns gehen!',auf dem Schulweg eines meiner meistgebrauchten Worte. Nachdem wir diesen Weg, der unter anderem über einen kleinen Bach führt, bei dem es vor allem jetzt in der Regenzeit sehr spannend ist wie gut man ihn überqueren kann, erfolgreich gemeistert haben, gehe ich zurück in die casa. Dort helfe ich bei den täglichen Hausarbeiten, wie Fegen, Spülen, Wischen und Wäsche aufhängen, und bekomme außerdem mein Frühstück. Anschließend habe ich Pause, in der ich zum Beispiel in den Spanischunterricht gehe, bis ich die Kinder um 12 Uhr wieder von der Schule abholen und erneut den abenteuerlichen Schulweg zurücklegen muss. In der casa essen wir dann gemeinsam das Mittagessen, das jeden Tag aus Reis mit Beilage und leider viel Fleisch besteht. Nachdem ich die Küche und das Esszimmer wieder aufgeräumt, sowie alles gespült habe, helfe ich den Schulkindern bei den Hausaufgaben, oder spiele mit den Jüngeren. Wenn alle mit ihren 'tareas' (=Aufgaben) fertig sind wird oft draußen gespielt und später ferngeschaut, wobei es noch ein refrigerio – eine Zwischenmahlzeit- gibt, je nachdem eine Frucht, Tortilla oder Empanada (Maismehlteigspezialitäten).

Oftmals darf ich einige Kindern auch zur Fundación, zum Centro de la Salud – sprich zum Arzt- oder zu sonstigen Orten begleiten, oder aber zu Elternsprechtagen, songenannten reuniones, gehen, wo ich jedes Mal aufs Neue gefragt werde ob ich denn die Mama der Kinder sei. Außerdem muss ich regelmäßig bei der colación, das heißt bei der Essensausgabe, in der ersten Klasse (der Klasse „meiner 5-Jährigen“) helfen, da es hier die Regel gibt, dass die Eltern der Lehrerin einmal im Monat beim Verteilen des Essens und beim anschließenden Spülen helfen müssen.
Dies sind Ausnahmen, bei denen sich meine Arbeitszeit teilweise verschiebt, sodass ich früher oder später gehen kann, doch in der Regel habe ich um 18:00 Uhr Feierabend und darf mich zufrieden und teilweise auch etwas erschöpft auf den ca. 25-minütigen Heimweg zurück in unsere WG machen.Auf diesem Weg werde ich ziemlich oft mit dem Machismus Südamerikas konfrontiert, der sich hier durch ständiges Hinterherpfeifen, Hinterherschauen und Anquatschen äußert, was man aber zum Glück sehr schnell zu ignorieren lernt.

Da wir unter der Woche aufgrund unserer Arbeitszeiten sehr wenig Zeit haben viel zu unternehmen, reisen wir in der Regel jedes Wochenende. Dies geht in Ecuador sehr gut, da man normalerweise ohne Probleme einen Bus bekommt, welcher sehr günstig ist, da 1 Fahrtstunde nur ca. 1 Dollar kostet. Daher kann man ohne auch viel Geldaufwand mal eine spontane Städtereise unternehmen. Aus diesem Grund haben wir auch schon einiges besichtigt, so waren wir zum Beispiel schon in Riobamba, Ambato, Latacunga, sowie am Strand Mompiche oder Las Peñas und auch in Mindo im Nebelwald, auf dem berühmten Otavalomarkt oder sogar schon in Pupulahua im Krater eines Vulkans. Auch die ein oder andere Wandertour durfte nicht fehlen, wobei ich bei der Besteigung des Cotacachi leider erstmals mit Höhenproblemen und Frühzeichen der Höhenkrankheit konfrontiert wurde.
Während der Reisen ist es sehr auffällig wie untouristisch Ecuador trotz seiner wahnsinnigen Vielfalt ist, denn oftmals hat man ein Hostel (wohlgemerkt ein Billiges für ca. 7-15 Dollar die Nacht) für sich alleine und auch in Museen oder Kathedralen ist man nicht selten der einzige Besucher, den Strand kann man ganz ungestört genießen und lediglich in Mindo stößt man auf sämtliche Deutsche. Jedoch ist es in diesen untouristischen Gegenden daher umso schwerer ein vegetarisches Gericht oder sogar ein vegetarisches Restaurant aufzutreiben, da die Ecuadorianer in der Regel echte Fleischlieber sind. Daher hat sich unser Talent an Marktständen ein vegetarisches Menü auszuhandeln, wie zum Beispiel Reis mit Pommes, Salat und einer Empanada, deutlich verbessert, wobei wir für dies natürlich nur 1 Dollar bezahlen, da wir ja schließlich kein Fleisch wollen. Allgemein wird man hier zum Handelprofi, was wir bei unseren regelmäßigen Besuchen auf dem Otavalomarkt oft genug unter Beweis stellen dürfen, da uns 'gringos' hier meist der doppelte Preis genannt wird. Ein echtes Highlight unserer Zeit hier war aber der zweitägige Besuch auf der Finca unserer Fundación, welche sich auf dem Weg nach San Lorenzo, das heißt in Richtung Küste befindet. Dort waren wir mit unserer Chefin, deren Familie, sowie 4 'Kindern' aus den casas, welche 12, 14 und 17 Jahre alt sind. Die Atmosphäre dort war total entspannt, da unsere Hauptaufgabe darin bestand Erde in Tütchen zu füllen, in welchen die Kaffeepflanzen eingepflanzt werden, wobei wir jedoch von unseren 'Kindern' relgelmäßig mit Dreck beschmissen oder beschmiert und mit zahlreichen Regenwürmern beschmückt wurden. Zudem durften wir bei der Kakaoernte helfen, bei welcher wir jedoch hauptsächlich den 17-jährigen Jungs hinterhergelaufen sind, fest darauf bedacht nicht hinzufallen und fleißig am Kakaofruchtfleisch futtern. Außerdem waren wir im nebenan liegenden Fluss schwimmen und haben unglaublich viel gegessen, da unsere Chefin meinte, dass fleißige Arbeiter auch viel zu Essen brauchen. Abends haben wir uns mit unseren 'Kindern' vergnügt und zum Beispiel Verstecken im Dunkeln gespielt, bis wir alle todmüde in unsere Schlafsäcke gekrochen und am nächsten Morgen überraschenderweise fast mückenstichfrei aufgewacht sind. Am nächsten Morgen ging es mit einem riesigen Frühstück los, nach welchem wir uns erneut an die Arbeit gemacht haben Tütchen zu befüllen und nach dem ebenso großen und leckeren Mittagessen erneut zum Fluss sind. Danach ging es nach einem wunderschönen Wochenende, auf dem man sich ein bisschen vorkam wie im Schullandheim, wieder zurück nach Ibarra.

 

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